Der Guglhupf #

17. January 2010 21:50

Gestern, als wir nach Hause kamen, stand ein unerwarteter Guglhupf in unserem Windfang. Muss wohl die gute Feh ihres Zeichens Schwiegermamma Erni gebracht haben.

Das fand ich besonders lustig, weil ich neuerdings immer wieder einen Ausbruch von Kindheitserinnerung hatte und mir spontan die erste Strophe der Titel-Signation der OE1 Sendung “Der Guglhupf” einfiel. Diese Sendung ist in meinem Elternhaus häufig am Sonntag gelaufen und da hat sich diese Melodie in meinem Unterbewußtsein festgesetzt um durch entsprechende Auslöser immer wieder ins Bewußtsein zu steigen.

Diese Kabarett-Sendung lief von 1978 bis 2009 auf OE1, bis sie nach 1130 Folgen am 28. Juni 2009 zum letzten Mal gesendet wurde, das wissen wir dank Wikipedia. Ihr Kernbestandteil war eine Doppelconférence, das ist ein humoristischer Dialog zwischen einem G’scheiten und einem Blöden, in diesem Beispiel zu tagespolitischen Themen.

Ich dachte mir, dass es doch in Zeiten des Internets ein leichtes sein müsste, diesen Ohrwurm als mp3 aufzutreiben. Man findet zwar auf YouTube einen Tribut auf den Guglhupf von Maschek, aber sonst fast nichts anderes:

Dann fand ich noch die etwas zweifelhafte Website des Dokumentationsarchiv Funk, welche ihre mp3 Dateien zwar in einer säuberlichen Tabelle aufgelistet haben, aber keinerlei Links dazu. Da habe ich denen eine Mail geschrieben, dass ich gerne den Titelsong hätte bzw. eine Aufzeichnung der letzten Folge. Aber seid’s mir nicht böse, ein Archiv sollte seine Inhalte nicht für sich behalten.

Ich war schon am aufgeben, als ich dann schließlich doch noch fündig wurde. Danke gozmoz.net für die Bewahrung dieses Schatzes!

Der Text zur Kennmelodie von Bronner/Wehle, in schwungvollem, synkopenreichen 4/4-Takt im Tenor gesungen, lautete:

Was den Sonntag erst
zu einem Sonntag macht,
ist der Guglhupf -
der Guglhupf:

Wie ein rundes G’sicht,
das immer freundlich lacht,
ist der Guglhupf -
der Guglhupf.

Dieses Kunstwerk aus Teig und Rosinen
jedem Österreicher g’fallts.
Doch es braucht, um Geschmack zu gewinnen,
auch ein kleines bisserl Salz.

Er kommt grad vom Rohr
und es ist wichtig, dass
er seine Frische nicht verliert…
Drum wird jetzt unser Guglhupf
brennheiß serviert.

 

Direkter Download

Nachfolgesendung für den Guglhupf wurde Welt ahoi!, jedoch was ich so bisher gehört habe mit weitaus derberem Humor. So haben sich die Zeiten gewandelt. Es ist mir fast etwas peinlich, bin ich doch erst 35, aber die Guglhupf-Melodie lässt mich beinahe ein Sehnen nach “besseren Zeiten damals” empfinden. But, the show must go on.

Avatar #

13. January 2010 09:03

Wir gönnten uns James Cameron’s Avatar in digitalem 3D, allerdings auf Deutsch, im Cineplex Amstetten. Gleich von Beginn an war ich froh, dass uns mehr geboten wurde, als man schon auf dem 1080p Trailer zu sehen bekam. Mittlerweile wissen wir schon, dass sich in dieser Version dreidimensionale Bilder über die Länge eines Kinofilmes aushalten lassen, der beschränkende Faktor ist hier schlicht und ergreifend das Fassungsvermögen der eigenen Harnblase. 162 Minuten.

Wir werden behutsam in eine völlig verschiedene ausserirdische Welt eingeführt, gleich nachdem Sigourney Weaver als rauchende Wissenschafterin reüssiert und zeigt, dass sie auch als Nu’vi eine sehr gute Figur macht. Diese Welt namens Pandora ist der Traum jedes Öko-Touristen. Safttige Natur, fantastische Tiere, alles so faszinierend anders und floureszierend, dass man selbst zu staunenden Touristen wird. Pandora ist tatsächlich so schön, dass CNN berichtet, wie tausende Menschen nach der Ansicht von Avatar in Depressionen verfallen, weil sie feststellen, dass Pandora so viel schöner ist als die Erde.

Papst Benedikt warnt schon vor diesem Film, weil er angeblich dem Neu-Paginismus (Neu-Heidentum) auf Basis von einer Natur-Religion das Wort redet. Das Problem das der Papst hier hat, neben der Tatsache, dass ihm die 3D-Bilder offenbar zu real vorkamen, ist, dass der Film die Ureinwohner von Pandora auf der gleichen Ebende sieht wie die Tiere, mit denen sie ein spirituelles Band verbindet. Obendrein, wo kämen wir da hin, wenn Gott in allen Lebewesen ist und nicht nur in der Kirche. So der Vatikan.

Unsere Reaktion war durchwegs, uns der wunderschönen Bilder zu erfreuen. In Natur und Technik gleichermassen findet sich eine gewaltige Fülle an kleiner Details. Die Ausrüstung der bösen Marines ist auch sehr cool. Der Film spielt in etwa 150 Jahren und da gehören gekrümmte, durchsichtige 3D-Displays und Hologramme zur Normalität. Was natürlich in einem 3D-Kino besonders gut zur Geltung kommt. Was Cameron dank seiner neuen Kameratechnologie auch perfekt hinbekommen hatte war, die Aufmerksamkeit geschickt durch den Einsatz von Tiefenschärfe zu lenken.

Es war – wie so oft bei Filmen die Filmgeschichte schreiben – viel Kritik an der angeblich zu einfachen Geschichte laut geworden. Dem kann ich mich aber nicht anschliessen. Ich fand den Spannungsverlauf kurzweilig und etwas gab einige Momente in denen die Spannung besonders groß war. Zwar keine gewaltigen Plot-Twists, aber ich denke, dass Cameron bewusst einige Story-Elemente in den optischen Details versteckt hat. Ihm gelang eine gute Balance, so fand ich.

So kann ich Avatar wärmstens empfehlen, … nachdem man schon 2 Stunden vorher nichts getrunken hat.

A frohes Neues … #

1. January 2010 11:44

Jahr 2010. Die Zukunft ist gekommen.

So blöd das klingt – weil so alt bin ich wirklich noch nicht – aber für mich war 2010 immer “die Zukunft”. Vielleicht hat dazu auch Stanley Kubrik’s 2001, genauer gesagt die Fortsetzung 2010, immer eine Zukunft symbolisiert, die zwar nahe genug ist, dass wir sie noch bei voller Erlebnisfähigkeit erleben können werden. Aber fern genug, dass genug Platz für ausreichend technische Innovation wäre, damit die Zukunft auch wie eine erstzunehmende Periode ausschauen würde.

Jetzt ist sie da, diese Zukunft. Quasi Gegenwärtig. Und ist irgendwas interessantes passiert?

Nun, ich habe vor 7 Monaten geheiratet, das war für mich vor 20 Jahren ziemlich futuristisch. Vor 1 Jahr bin ich komplett von Windows auf Apple umgestiegen zu 50% weil in meiner angeheirateten Familie alles vermäckt ist, die zweite Hälfte, weil ich unbedingt für das iPhone entwickeln wollte. Noch etwas Unvorstellbares war für mich aus Wien weg zu ziehen, in ein Haus, vor allem so eines: Bio-Solarhaus, das mit der Kraft der Sonne heizt und im Winter mit Holz, das im Ofen im Wintergarten für Romantik sorgt.

Die Entscheidung Wien den Rücken zu kehren war zuletzt auch stark dadurch begünstigt worden, dass mein bisheriger Brötchengeber beschlossen hat, mangels Kunden den Windows-Desktop-Support in Österreich sausen zu lassen. Ich hatte noch herum gerechnet, ob es sich irgendwie ausginge – mit meinen iPhone Einkünften – auf Teilzeit umzusteigen. Mein Argument war mangelnde Auslastung, in retrospect habe ich den Stellenabbau vermutlich verausgeahnt. Wobei irgendwie witzig finde ich auch, dass ich eigentlich meinen Job immer für den sichersten in Wien gehalten habe. Ich bin immer davon ausgegangen, dass selbst absolut skeletiertes Mini-Team immer noch Hilfe bei Windows-Problemen brauchen wird und ich somit als letzter gehe.

Schmecks! Der Chef in USA ist der Meinung, dass das auch von Prag aus geht. Haha, des schau i mir ohn. Aber bitte, mich macht es nicht wirklich unglücklich, eher im Gegenteil, es nimmt mir eine Entscheidung ab, die ich seit langer Zeit von mir herschiebe. Nämlich jener mein Hobby für das iPhone zu entwickeln zum Hauptberuf zu machen.  Und eine Lehre daraus ist, dass man sich davor hüten soll, Vorhersagen zu treffen. Gerade Jahreswechsel sind für diese prädestiniert. Man kann sich ja das Beste vornehmen, aber seine Zukunft auf den Fortbestand eines einzelnen Jobs zu wetten ist dumm. Mit dieser Strategie wäre ich vollauf eingefahren.

Die Frage ist nun, welche nächste Zukunft sich lohnt darauf hinzuarbeiten? 2020? Da bin ich 54, ein alter Knacker. Nein, stimmt eigentlich nicht, was rechne ich da? 2020 – 1974 = 46. Nicht ganz so alt, aber dennoch wesentlich gereift. Ja, das ist ein gutes Ziel, das soll ja in etwa die Lebensmitte sein. Meine Hochblüte. Mentale Notiz: schon auf 2020 freuen.

Und unmittelbar? Nun, irgendwelche Zahlenspielchen meines lieben Bruders sagen mir für 2010 tolle Wirtschaftliche Verhältnisse vorher. Bis zu meinen Geburtstag hätte ich die Zahl 5, das würde planen und vorarbeiten bedeuten. Ab dem 24. Juli hätte ich dann die Zahl 6, was enormen Reichtum bedeutet, oder so was in der Art. Ich kann mich der Details nicht entsinnen, es wird aber großartig. Selbst der Glückskeks, den ich nach Mitternacht aufgemacht habe, hat mir prophezeit, dass mir “ein Husarenstück gelingen würde”. Wir lesen auf Wikipedia nach …

Als Husarenstück (auch Husarenritt oder Husarenstreich) wird ein (geglücktes) waghalsiges, kühnes Unternehmen bezeichnet. Zurückgeführt wird der Ausdruck auf die Ende des 17. Jahrhunderts gegründeten österreichischen Husarenregimenter, die die Aufgabe hatten, den Feind auszukundschaften, die feindlichen Marschkolonnen durch kurze Angriffe zu stören und Botendienste zu versehen, was neben der Fähigkeit zu eigenverantwortlichen Entscheidungen ein hohes Maß an Kühnheit und Waghalsigkeit erforderte.

Aha, offenbar ist damit meine neue Selbständigkeit gemeint, kühn und waghalsig. Und das soll offenbar glücken.

Und interessante Prophezeiung welche für die Mitte des Jahres 2010 gemacht wird, wenn wir schon davon sprechen, ist dass Apple ein Tablett-förmiges Gerät herausbringen wird, das etwa so wie ein übergroßes iPhone ausschauen soll. Sobald dieses herauskommt, wird sich mein potentieller Kundenkreis mehr als verdoppeln, weil auch dieses in der gleichen Art wie das iPhone oder iPod Touch zu programmieren sein wird. So gesehen kann ich auch 2010 kaum erwarten, das Jahr des iSlate, so der bisherige wahrscheinlichste Name aus der Gerüchteküche.

Doch wie gesagt, die Zukunft hat den Hauptzweck, etwas zu haben, auf das man die Nase am Horizont ausrichten kann. Wirklich wichtig ist aber, was man heute für Entscheidungen trifft. Denn diese vielen kleinen Entscheidungen summieren sich auf die Dauer und schlagen sich langfristig in meßbaren Größen nieder: Euros, Kilos, Kleidergrößen, Blutwerte u.v.a.m.

Hier haken die Vorsetze ein, die man sich auch meist zu Jahreswechsel neu fasst. Ich habe meine noch nicht formuliert, aber sicher dabei sind, dass ich mir täglich zum Frühstück einen frischen Gemüsesaft kredenze. Das sind die 5 Stück Obst oder Gemüse, die man täglich braucht. Und ein zweiter Vorsatz ist, vom Bauchumfang her wieder auf normale Verhältnisse hinzuarbeiten, notfalls mit häufigem Sport. Ich habe eh schon wieder mit dem Laufen begonnen. Ich habe schon im Dezember an fast jedem Wochentag, wo meine Frau in die Schule zur Arbeit fuhr, eine kleine Jogging-Runde gedreht. Nur so etwa 20 Minuten, aber ich hoffe dass das erwähnte Prinzip der kleinen Schritte hier aufgeht. Oder genauer gesagt, die Luft aus meinem Kugelbauch entweicht.

Zuguterletzt habe ich auch vor, in diesem Jahr der Wirtschaftskrise ein Ende zu setzen. Das Unmögliche tuen wir sofort. Wunder dauern etwas länger.