I am sold #

4. September 2009 09:09

Gestern hatte ich elektronische Post von der Übersetzerin von “Was würde Google tun” von Jeff Jarvis. Sie beantwortet meine Frage aus dem letzten Artikel meiner “Englisch/Deutsch/Autsch”-Serie, wie die komisch übersetzte Phrase im Buch selbst geheissen hat. Und gleichzeitig lieferte mir damit erneut Material für einen neuen Artikel. Da sage ich herzlich Dankeschön.

Hallo Oliver,

Hier das Jarvis Originalzitat: “Ok, she sold me.” (Im nächsten Satz wird auf Prospers Empfehlung hingewiesen, Darlehen vorsichtshalber zu streuen.)

Hoffe, dir damit geholfen zu haben.

Gruß

Heike Holtsch

PS. Bin gespannt, ob du den Mumm hast, deinen Irrtum zu korrigieren ;-)

Worauf ich ihr geantwortet habe, dass sie dennoch falsch liegt. Es mag schon sein, dass es verschiedene Phrasen gibt, die “sold” (also verkauft) in einem negativen Zusammenhang verwenden. “to be sold down the river” hat man zum Beispiel mit amerikanischen Sklaven gemacht, die man nicht mehr gebraucht hat. “to be sold a lemon” drückt aus, dass man die Katze im Sack gekauft hat.

Auch im Deutschen gibt es die Wendung “für dumm verkauft” zu werden. Deswegen kann ich auch durchaus den Drang von Frau Holtsch verstehen, diese Phrase absichtlich negativ zu übersetzen. Beim flüchtigen Überfliegen der Liste englischer Redewendungen kommt einem wirklich hauptsächlich negatives vor. Doch, dass dies in diesem Zusammenhang die Bedeutung ins Gegenteil verkehrt, dass ist dann wieder: Autsch!

Im besagten Buch und Zusammenhang kann der Autor, wenn er sein Salz wert ist, nur meinen, dass er überzeugt worden ist, dass es eine gute Sache ist.  Die ursprüngliche Redewendung lautet “to be sold on something”, was auf Deutsch so viel heisst wie: ich bin davon überzeugt. Ich bin etwas verschrieben. Jeff Jarvis selbst verwendet die sehr selten verwendete, weil zweideutige, verkürzte und passive Variante. In typisch amerikanischer Eigenheit hat er die Redewendung so ver-slang-t, dass wir Mitteleuropäer nur mit detektivischem Feingespür die wahre Bedeutung der Aussage entschlüsseln können.

Um den Sinn zu entschlüsseln muss man dem Autor über ein paar Absätze folgen. Er stellt ein System der Vermittlung von privaten Kleinkrediten vor. Wer so einen Kredit braucht, muss sagen wofür und dann können ihn Geldgeber kontaktieren. Er nennt ein erstes Beispiel, das Bio-Küche zum Inhalt hat. Mit einem Augenzwinkern winkt er ab, weil Gemüse nicht sein Fall ist. Dann nennt er ein zweites Beispiel von einer Wirtschaftsstudentin, die mit dem Geld ihre Rechnungen bezahlen will. Diese Studentin liefert einen leidenschaftlichen Vortrag wie wichtig es doch ist, seine Bonität zu erhalten, gerade in Krisenzeiten. Und ist ist es logisch zwingend anzunehmen, dass Jarvis sagen will, dass er der Studentin hier beipflichten muss. Sein klassischer Aufbau der Argumentation ist: Vorstellung des Rahmens, Beispiel dagegen, Beispiel dafür.  Conclusio.

Nehmen wir mal an, auch das zweite Beispiel wäre negativ zu bewerten und Frau Holtsch hätte somit Recht. Dies würde Jeff Jarvis als guten Autor deklassieren. All diese Absätze über die private Kreditvermittlung wären dann nur mehr füllende Zuckerwatte. Salopp gesagt: “ja, da gibt es was tolles, aber man wird da nur verschaukelt, man kann dem nicht trauen”. Dies würde wieder gänzlich dem Grundtenor des Buches entgegenlaufen, welcher nämlich ist, dass Internet und Vernetzung die positiven Revolutionen unserer Zeit sind. Wer Jarvis etwas kennt, wie z.B. von seinem This Week in GOOGLE Podcast mit Leo Laporte, der weiss, dass Jarvis pro-Web 2.0 ist.

Deswegen muss ich leider sagen: Danke für Ihr Kommentar Frau Holtsch. Wäre ich im Irrtum, würde ich ihn natürlich richtigstellen. Aber leider sind sie es, die irren. Da hilft es auch nicht, mich mit einer mir Schwäche unterstellenden Phrase herauszufordern.

Update: Ich habe den Autor Jeff Jarvis auch selbst via Twitter befragt, hier seine Antwort:

Javis says

Film: The Final Destination #

4. September 2009 08:33

Nachdem wir uns jetzt von einer Vielzahl an digitalen, 3D-Kinofilmen nicht mehr erwehren können, lag es für uns auf der Hand und auch den ersten groß angekündigten Vertreter des Horror-Genres, The Final Destination, zu begutachten. Wir sahen es auf Englisch, in digital und 3D, ganz so, wie der Macher es wollte.

Im Prinzip geht es bei diesem, schon vierten, Teil der Final Destination Sage darum, dass eine Gruppe junger attraktiver Menschen um ein Haar einem Massentod entkommt, weil einer von ihnen eine Vision hatte. Doch weil sich Gevatter Tod nicht ins Handwert pfuschen lassen will, holt er sich die ihm vorerst Entkommenen dann nach und nach doch noch. Und weil es ja nicht sehr eindrucksvoll wäre, würden sie nun alle einfach tot umfallen, denkt sich der Tod immer komplexere “zufällige Verkettungen unglückseliger Umstände” aus, die dann mit einem grausigen Ableben enden.

Im ersten Teil war das Konzept noch spannend. Die Akteure durchschauten diesen Plan nach und nach und fanden Mittel und Wege bis zum Unausweichlichen weiterzuleben. Der zweite Teil setzte dem noch etwas drauf, indem er die Pläne des Todes als noch viel komplexer entlarvte. Doch dritter und nun der vierte in 3D können hier nichts mehr Neues bieten. Auch wenn man statt einem 4er an den Titel anzuhängen einfach ein “The” davor macht, wird es dennoch nicht zum definitiven Vertreter dieses Horror-Prinzips, welches ich – wie gesagt – ursprünglich als innovativ und amüsant empfand.

Ja, in 3D hat man noch mehr von grausligen Todesarten, insbesondere solchen, bei denen irgend schwere, grosse oder scharfes Objekt durch den Raum fliegen. Doch dies ist gleichzeitig einer der Schwachpunkte. Es sind offensichtliche computergenerierte Gegenstände und irgendwie scheinen alle menschlichen Körper aus Pudding zu sein. Oft ist einfach unglaubwürdig, ein von einem Rasenmäher weggeschleuderter Kieselstein ist nur in der Horror-Realität in der Lage einen menschlichen Schädel so zu durchschlagen, dass er einen Kanal hinterläßt durch den wir durchblicken können. Um das ganz noch etwas aufzupeppen, hat man noch grosse Mengen an Gedärmen in den Szenen verteilt, was man sich auch hätte sparen können.

Statt eines Gruselns ist die meiste Zeit eher ein Ekeln zu verspüren. Der langen Rede kurzer Sinn: das Schauspiel ist schwach, die Story lauwarm aufgewärmt, die 3D-Effekte verkomputerisiert und Happy End gibt es auch keines. Aber das war uns allen ja auch klar, dass man den Tod nicht besiegen kann. Soweit die philosophische Aussage des Filmes. Na wow.

The Final Destination ist dann hoffentlich tatsächlich die letzte Station für dieses Franchise. Mit so einer schwachen Leistung verdient der Film selbst auch ein langweiliges baldiges Ende.