Film Preview: District 9 #

25. August 2009 23:31

Ausserirdische sind gelandet, oder auch nicht. Jedenfalls schwebt deren Mutterschiff aus underfindlichen Gründen über Johannesburg und die Erdbevölkerung hat die unterernährten Wesen mittels Hubschraubern in einem militärisch bewachten Ghetto angesiedelt. Soweit die Ausgangslage bei District 9.

Es fällt sogleich auf, dass der Film zum größten Teil den Stil einer Dokumentation verfolgt. Den Zusammenhalt geben dann Szenen im Hand-Kamera-Look, so dass man immer das Gefühl hat, man ist mitten drin. Die Aliens sind genial computeranimiert, was aber überhaupt nicht auffällt. Interssant fand ich auch die Story, die ein wenig die Metapher Xenophobie, kriminelle Nigerianer und böser Großkonzern überansprucht.

Doch ohne zu viel zu verraten, die Geschichte hat definitiv ihren Reiz, insbesondere wenn dann nach und nach die Menschlichkeit sowohl beim menschlichen Hauptdarsteller, als auch beim Alien-Hauptdarsteller zum Vorschein kommt. Es gibt eine Vielzahl an Szenen bei denen man laut schmunzelt oder beim Anblick von Alien-Hardware schlicht “ur cool!” sagen muss. Die schauspielerische Leistung ist durchwegs passabel, wenngleich ein Teil des Lobs vermutlich den Computeranimateuren zusteht.

District 9 läßt sich durch seinen Stil und die ungewöhnliche Geschichte schwer einordnen, insbesondere, weil üblicherweise die Ausserirdischen doch zumeist diejenigen sind, die den Menschen an den Kragen wollen. Das wird hier auf den Kopf gestellt, zumeist ist es hier der Mensch, der sich “nicht nett” verhält. Spannende Unterhaltung, vielleicht gar ein wenig moralisch, aber dank der unabänderlich folgenden SciFi-Action läßt sich der moralische Anspruch gut verdauen. Ungewöhnlich und für SciFi-Fans sehenswert. Nur ein Wort der Warnung: es gibt auch einige grausliche Szenen.

Der Film kommt am 11. September in Österreich ins Kino

On board #

23. August 2009 08:00

Es ist schon recht schwer um durch falsche Übersetzung vom Englischen ins Deutsche den Sinn eines Satzes komplett ins Gegenteil zu verkehren. Aber Heike Holtsch beweist bei ihrer Übersetzung von “Was würde Google tun?” von Jeff Jarvis, dass es doch geht.

Es geht um Kleinstkredite, die man bei Prosper.com direkt von einer Person zur nächsten vergeben kann. Dabei gibt man möglichst genau an, wofür man das Geld benötigt. Jarvis führt ein Beispiel auf, bei dem es um Rohkost geht. Das lehnt er dankend ab, rohes Gemüse dürfte nicht sein Fall sein. Das zweite Beispiel aber findet seinen Gefallen, weil es ehrlich und glaubwürdig ist. Seine Reaktion darauf wurde so übersetzt:

“Ok, sie hat mich verladen.” (Seite 329, gebundene Ausgabe 2009)

Das kam mich gleich spanisch vor und schlug nach. Da fand ich, dass es in der deutschen Umgangssprache den Ausdruck “verladen werden” gibt, der so viel bedeutet, wie reingelegt zu werden. Also genau das Gegenteil von einem positiven Ergebnis! Das wäre ja keine gute Werbung für prosper.com, wenn Jarvis betrogen wird. Autsch!

Ich gestehe, dass mir der originale Text des Buches nicht vorliegt, denn sonst hätte ich nachgeschaut was dort wirklich steht. Aber ich darf vermuten, dass der Autor “on board” ist. Ursprünglich bedeutete dies, dass man an Board eines Schiffes oder Flugzeuges gegangen ist. Es kann aber auch heissen, dass man beim Unterfangen einer anderen Person mitmacht oder dabei ist, weil man auf ein positives Ergebnis vertraut.

Möglich wäre auch noch, dass im Originaltext “I’m in.” (aus dem Poker im Sinne von, “ich bin bei der Spielrunde dabei”) steht, aber wie man davon auf Verladung kommen kann ist mich noch viel rätselhafter.

Um den gepflegten saloppen Ton zu wahren (und ebenso den Sinn des Satzes) hätte ich folgendes vorgeschlagen:

“Ok, ich bin dabei!”

Vielleicht hat einer meiner Leser ja den Originaltext vorliegen und kann mir sagen, ob ich richtig liege.

Soapbox #

22. August 2009 08:00

Ich bezweifelte dass Jeff Harvis in seinem Buch “Was würde Google tun?” im folgenden Satz wirklich einen Parallele zu Seifenkisten-Rennen ziehen wollte. Die Übersetzerin Heike Holtsch hat sich da etwas vertan.

“Schon wieder Materie, aber ich wette, wir, die Kunden, werden online auf Seifenkisten steigen und gegen die Hersteller wettern, damit sie endlich diese übertriebenen Verpackungen reduzieren.” (Seite 375, gebundene Ausgabe 2009)

Es gibt schon lange keine Kisten mehr, in denen Seife transportiert wird. Warum sollte man auf solch eine nicht verfügbare Kiste steigen. Das wäre doch absolut widersinnig. Steigen können wir Deutschsprachler nur auf Barrikaden, aber das kann auch nicht gemeint sein, denn Jarvis redet von keiner Revolution. “Soapbox” einfach nur wörtlich zu übersetzen, dass bringt mich auf die Barrikaden! Autsch!

Im englischen Sprachraum ist eine Seifenkiste ein besonderes Symbol für freie Meinungsäußerung. Solch eine stabile Kiste bot nämlich mach einem angehenden Politiker eine stabile und erhöhte Platform von der er aus seine Reden schwingen konnte. Es musste aber kein Politiker im engeren Sinne sein, der solch eine Kiste erklomm. Jeder konnte sich dank solch einer Mini-Tribüne Gehör verschaffen, weil er so seine Zuhörer kostenlos ausreichend überragte, so dass mehr Zuhörer eine Worte verstehen konnten. Wikipedia führt den Londoner Hyde Park as bekannte Stelle an, wo sich seit 1872 Sprecher versammeln um über eine Vielzahl an Themen zu referieren.

Die Schlussfolgerung, dass Barrikaden gemeint sein müßten ist also falsch. Barrikaden symbolisieren nämlich den Kampf gegen einen Agressor. Die Seifenkiste hingegen symbolisiert in der englischen Welt friedliche aber dennoch effektive Meinungsäußerung. Hier könnte auch der Grund begraben sein, warum wir eine so viel schlechtere Dabattier-Kultur haben, als beispielsweise die Briten. Während diese nämlich die meiste Zeit des 20. Jahrhunderts ihre Meinungsäußerung (stehend auf Seifenkisten) üben konnten, war es in Mitteleuropa eher üblich in geschlossenen Räumen und politischen Clubs unter Gleichgesinnten seine Meinung zu äußern, aus Angst, dass einem aus seiner Gesinnung ein Strick gedreht werden könnte.

Im Deutschen gibt kein Symbol wie die “Soapbox”, weshalb man auf eine erklärende Übersetzung ausweichen muss. Oder man läßt es weg, wenn man sich nicht die Mühe machen will, die Kernaussage des Autors in die andere Sprache zu übersetzen.

“Schon wieder Materie, aber ich wette, wir, die Kunden, werden uns darauf besinnen, dass wir unsere Meinung online frei äußern können und gegen die Hersteller wettern, damit sie endlich diese übertriebenen Verpackungen reduzieren.”

Jarvis meint nämlich, dass auch ich hier auf meinem Blog gewissermassen meine Seifenkiste habe und zwar nicht gegen Verpackungen, aber irreführende Übersetzungen wettere. Ich darf das, das ist meine Kiste und wenn Sie das nicht hören wollen, dann gehen sie zur nächsten Ecke, wo jemand anderer seine Meinung sagt.

Film: Inglourious Basterds #

21. August 2009 20:55

Wir waren gespannt auf den jüngsten Streich von Quentin Tarantino, denn ein historischer Action-Film ist ja so überhaupt nicht etwas was man sich von ihm vorstellen kann. Nochdazu erwartet man von ihm eine gewisse Krassheit und da kommt Neugier auf, wie er das ernste Thema des zweiten Weltkriegs so verarbeiten kann, dass es trotzdem noch ein ihm würdiger Film wird.

Inglourious Basterds spielt im von Nazis besetzen Frankreich, wo sich eine Truppe von Juden aufmacht, den Nazis das Fürchten zu lehren. Laut Quentin Tarantino wollte er einen Spaghetti-Western im Rahmen des zweiten Weltkriegs machen und das ist ihm absolut gelungen. Es sind aber eher ganz dezente Hinweise, die auf diese Intention deuten, ein paar Tarantino-typische Trademarks, bei denen man wirklich lachen muss, weil diese genial gespielte Dialoge und Handlungsstränge wie ein Blitz durchzucken.

Allen voran der desertierte (weil nach England emigrierte) Österreicher Christoph Waltz, der es wie kein zweiter versteht den besten Juden-Jäger der Nazis zu verkörpern und ihn in allen Facetten darzustellen. Er bekommt meinen Sonderpreis als bester Bösewicht, den ich je in einem Film gesehen habe. Dicht gefolgt von Brad Pitt, den man hinter seinem Tenessee-Akzent kaum wiedererkennt. Der restliche Cast ist auch schlichtweg genial besetzt.

Besonders hat mir gefallen, dass sehr viel in den originalen Sprachen gesprochen wird, Waltz spricht quasi akzentfrei alle davon und es erfüllt uns Deutschsprachler mit Genugtuung, dass die deutschen Text alle keine englische Färbung haben. Natürlich hat man für alles Untertitel. Ich sah die englische Originalfassung, bei der alles Nicht-Englische mit fetten gelben Untertiteln versehen war.

Auch seinem Stil getreu ist der Aufbau in mehrere Kapitel, fast wie ein Buch. 10 Jahre hat Tarantino an diesem Skript gefeilt und hat auch kurz für Kill Bill pausiert, weil ihm kein guter Schluss einfiel. Aber ich kann berichten, dass der Schluss dem Anfang und der Mitte in keinster Weise nachsteht. Die künstlerische Freiheit – ohne zu viel zu verraten – führt eben dazu, dass man gänzlich über den Ausgang verwundert ist. Und begeistert.

Wir hatten jedenfalls eine große Freude daran, Inglorious Basterds verdient zweifellos das Prädikat “Großes Kino”.

Disintermediation #

21. August 2009 08:00

Eine wahre Quelle an neuen Worten für die deutsche Sprache die Übersetzerin von “Was würde Google tun?” von Jeff Jarvis. Denn, nur dass ein Wort nicht im Duden vorkommt heisst schon lange nicht, dass man es nicht trotzdem in einen deutschen Text schmuggeln darf. Wir borgen uns doch sonst auch ständig Worte in anderen Sprachen aus, weil die dort hipper klingen.

Folgender Satz sorgte erst für Kopf-Kratzen und dann Nach-Googeln:

“Gesetze, Verordnungen und Bekanntmachungen der Regierung sind die beste Nahrung für Googles Disintermediation.” (Seite 374, gebundene Ausgabe 2009)

Mediation von (lat. “Vermittlung) kennen wir vielleicht aus dem einem oder anderen Gerichtsverfahren. Laut Wikipedia ist dies ein “strukturiertes freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung oder Vermeidung eines Konflikets. “Inter” heisst “dazwischen” und “dis” irgend was negatives im Sinne von eliminieren. Ist das dann eine Nicht-Zwischen-Streit-Vermeidung? Und warum muss so etwas für Google genährt werden? Autsch!

Frau Holtsch, es gibt dieses Wort einfach nicht im deutschen Duden, auch wenn sie versuchen es uns unterzujubeln. Aber wenn sie so weitermachen, dann werden ihre Kinder vielleicht bald in anerkannte Wörterbücher aufgenommen werden.

Tatsächlich lautet das englische unübersetzte Wort “disintermediation” und hat rein gar nichts mit Streitschlichtung zu tun. Hier ist jene Art von “Vermittlung” gemeint, wie sie zwischen Händlern bzw. Kunden stattfindet. Das verwandte Hauptwort “intermediary” ist der “Zwischenhändler” bei Waren.

Dis-inter-mediation bezeichnet also, dass solche Zwischenschritte unnötig gemacht werden und Waren bzw. Informationen direkter vom Erzeuger zum Verbraucher/Nutzer gelangen. Im obigen Satz geht es darum, dass man dank Google direkt Informationen bekommt, wie z.b. Patente oder Gesetze. Google sei der Killer der Zwischenhändler, so die Aussage von Jeff Jarvis.

Mein Vorschlag für eine verständliche Variante ist daher:

“Gesetze, Verordnungen und Bekanntmachungen der Regierung sind die beste Nahrung für Googles Bestrebung Zwischenhändler unnötig zu machen.”

Worth his salt #

20. August 2009 08:00

Es gab diese Redewendung zwar schon im Lateinischen, aber ins Deutsche hat sie ihren Weg nie gefunden, auch nicht, wenn es Heike Holtsch in ihrer Übersetzung von “Was würde Google tun?” versucht.

“Eine Köchin, die ihr Salz wert ist, würde das sicher als Kompliment auffassen.” (Seite 259, gebundene Ausgabe 2009)

Wie kann eine Köchin Salz wert sein? Das ist doch gar kein Kompliment, jemanden als salzig zu bezeichnen. Autsch!

Die englische Wendung “to be worth his salt” kommt aus dem lateinischen Sprachgebrauch des römischen Imperiums. Dort waren Salz und Gold tatsächlich gleich viel wert, weshalb Soldaten oft mit Salz statt mit Gold bezahlt wurden. In englischen Sprachraum ist die ursprüngliche (weil nahezu poetische) Wendung nachwievor in allgemeinem Gebrauch.

Heutzutage würden wir auf Deutsch sagen, dass jemand sein Geld wert ist, seine Sache versteht oder auch sein Handwerk. Da es in dem Kontext des obigen Satzes um ein Restaurant geht, würde ich die Wendung mit dem Geld empfehlen.

“Eine Köchin, die ihr Geld wert ist, würde das sicher als Kompliment auffassen.”

Diese Phrase wörtlich ins Deutsche zu übersetzen, könnte uns auf den Gedanken bringen, dass die Frau Übersetzerin ihr Handwerk bezüglich sinnvoller Übertragung von Redewendungen manchmal nicht versteht.

Commoditize #

19. August 2009 08:00

Gleich auf zwei hintereinanderfolgenden Seiten des der deutschen Übersetzung von “Was würde Google tun?” hat die Übersetzerin Heike Holtsch den Fehler begangen sich zur Verwendung eines Neu-Deutschen Ausdruckes hinreissen zu lassen. Dabei handelt es sich um Lehnworte aus dem Englischen, die eingedeutscht wurden schlicht um “hipp” zu klingen. Für das Verständnis des Lesers ist diese Sprachvergewaltigung aber keineswegs dienlich:

“Offensichtlich ja, aber da Informationenen derart schnell und einfach kommodifiziert werden können, ist die Frage nach der Kernkompetzenz komplex” (Seite 209, gebundene Ausgabe 2009)

“Lediglich kommodifizierter Content wird Ihnen weder Links noch Google-Elixier verschaffen” (Seite 210, gebundene Ausgabe 2009)

“Kommunikation könnte bewirken, dass Airlines dekommodifiziert werden.” (Seite 308, gebundene Ausgabe 2009)

Der in Latein geschulte Mensch von Welt wird sich sofort zusammenreimen, dass es sich hier um ein zusammengesetztes Wort aus Kommode und facio (lat. “zu etwas machen”). Aber wie kann man aus Informationen eine Kommode machen? Soll man sie in die Schubladen der Kommode stecken? In welcher Sortierung? Oder ist der angesprochene Kontent in Wirklichkeit ein Bauplan für eine Kommode, der weder Links noch Google-Elixier bringt? Dann wird hundert Seiten später eine Fluglinie deko-modifiziert. Da liegt es auf der Hand, an eine Generalüberholung der Dekoration zu denken. Autsch!

Der zugrundeliegende Ausdruck heisst “Commodity” und bezeichnet alle Produkte und Dienstleistungen, welche wir praktisch immer ident bekommen, egal wo wir sie einkaufen. Wasser und Strom zwei Beispiele für solche Produkte, die kein Mascherl haben. Wikipedia führt auch noch Öl, Papier oder Milch an. Ein neues Produkt, dass man nur bei einer bestimmten Quelle bekommen kann ist das genaue Gegenteil solcher Allerweltsgüter. Aber wenn dieses Produkt nach einigerzeit generisch wird und von vielen verschiedenen Herstellen in vergleichbarer Qualität angeboten wird dann verdient es die Bezeichnung “Commodity”. Salopp wird das auch oft mit “Rohstoff” übersetzt.

Im Zusammenhang mit diesem Buch möchte der Autor sagen, dass Informationen und Inhalte im Internet en masse zur Verfügung stehen. Es spielt hierbei kaum eine Rolle auf welcher Website ich eine Nachricht lese, weil sowieso alle Blogs voneinander abschreiben. Und deswegen wäre kaum ein Internet-User bereit für diese Nachrichten extra zu bezahlen.

Das Verb, welches diesen Vorgang (vom speziellem zu einem allgemein verfügbaren Handelsgut) beschreibt, lautet “commoditize”. Ersetzen wir das c mit einem k und “tize” mit “tisieren” haben wir uns schon ein wunderbares neues deutsches Wort gebastelt. Klingt gut, versteht aber keiner.

Meine Vorschläge:

“Offensichtlich ja, aber da Informationenen derart schnell und einfach allgemein verfügbar werden können, ist die Frage nach der Kernkompetzenz komplex”

“Lediglich Allerweltsinhalte zu offerieren wird Ihnen weder Links noch Google-Elixier verschaffen”

Ich hoffe jedenfalls, dass diese Analysen in meiner Kategorie “Englisch/Deutsch/Autsch” nicht als Allerweltsinhalte gesehen werden, sondern mir Ruhm und Ehre einbringen. ;-)

Journalism with a captial J #

18. August 2009 08:00

Wieder aus “Was würde Google tun?” von Jeff Jarvis stammt der folgende Satz, bei dem eine Eigenheit der englischen Sprache falsch ins Deutsche übertragen wurde:

“Die Macher von Nachrichten glaubten, sie könnten sich den Veränderungen widersetzen, sie hielten sich sogar für immun, denn sie verstanden sich als Hüter eines heiligen Feuers: des Journalismus mit großem J.” (Seite 188, gebundene Ausgabe 2009)

Der unbedarfte Leser wundert sich, was wohl damit gemeint sein kann. Journalismus schreibt man doch, wie alle Hauptwörter, immer mit einem großen Anfangsbuchstaben. Soll das vielleicht ein Versuch von Hurmor sein um zu zeigen, dass man sich etwas auf ein Substantiv einbildet im Glauben es sei etwas besonderes, obwohl die Welt einen auslacht, weil die angeblich besondere Eigenschaft (des grossen Buchstabens) doch der Normalzustand ist? Warum würde uns der Autor zu solchen Gehirnverrenkungen zwingen wollen? Autsch!

Zum Verständnis dieser Wendung ist es nötig sich zu vergegenwärtigen, dass in der englischen Sprache alle Worte generell klein geschrieben werden, ausser am Satzanfang, bei Ländern, Eigennamen oder auch bei Gott. Dadurch hat man im Englischen ein Stilmittel zur Verfügung, welches im Deutschen fehlt, denn man kann Worten besonderes Gewicht verleihen, in dem man sie mit grossem Buchstaben beginnen läßt. So würde “god” einfach irgend ein Gott sein, während “God” den einen und allmächtige Himmelsvater bezeichnet.

Im obigen Satz meint der Autor, dass es sich um Journalismus in der unverfälschten Reinform handelt. Im Sinne von “der hohen Kunst des Journalismus”. Es fehlt hier der Sarkasmus, dem man sich im Deutschen hinzuinterpretiert. Dieses Stilmittel im subtilen Modus zu verwenden heisst im Englischen einfach nur den ersten Buchstaben groß zu schreiben. Im brutalen Modus geht man noch einen Schritt weiter und fügt “… with a capital X” an, wobei man X durch den tatsächlichen Anfangsbuchstaben ersetzt. Dies weist noch explizit darauf hin, wieviel Ehre der Autor diesem Wort zugestehen möchte.

Eine wörtliche Übersetzung verwässert bzw. eliminiert diese Feinheit. Ich hätte den Beispielsatz so geschrieben:

“Die Macher von Nachrichten glaubten, sie könnten sich den Veränderungen widersetzen, sie hielten sich sogar für immun, denn sie verstanden sich als Hüter eines heiligen Feuers: des Journalismus in der Reinform.”

Wenigstens hat die Übersetzerin Heike Holtsch nicht auf Google Translate zurückgegriffen, denn dann hätten wir als Ergebnis “Journalismus mit einem Grundkapital J” erhalten.

Kletterpark am Buchenberg, Waidhofen #

17. August 2009 16:16

Nachdem es am Tag zuvor noch zu viel hierfür regnete hatte ich dann doch Glück und konnte den Kletterpark am Buchenberg in Waidhofen ausprobieren. Für 17 Euro bekommt man da eine Einführung, die im Prinzip erklärt, dass man doppelt gesichert ist, einmal mit einem herkömmlichen Karabiner, einmal mit einem Karabiner, der mittels zwei kleiner Rollen auch fahren kann.

Dort in luftigen Höhen herumzuturnen macht viel Spass. Es ist obendrein auch für Kinder geeignet, die unter 14 Jahren die Begleitung eines Erwachsenen den Park betreten dürfen. Es gibt im Prinzip neben der kurzen Demo-Strecke 3 Strecken, wobei die letzte nur mehr geglitten wird. Dies nennen sie “Flying Fox”.

Ich kann diese Freizeitbeschäftigung von 2-3 Stunden Dauer nur jedem empfehlen. Ob der Höhe braucht niemand Angst zu haben, denn durch die doppelte Sicherung fühlt man sich stets in Sicherheit.

Mehr Infos gibt es hier.

Hypocrit, Eating one’s own dog food #

17. August 2009 08:00

Nicht wirklich falsch, aber auch nicht wirklich verständlich ist die Übersetzung von “Hypocrite” im Buch “Was würde Google tun?” von Jeff Jarvis.

Da stolperte ich über diesen Satz:

“Ich gestehe, ich bin ein Hypokrit: Hätte ich meine eigenen Regeln befolgt – hätte ich mein eigenes Hundefutter gefressen -, würden Sie dieses Buch jetzt nicht lesen, jedenfalls nicht in Buchform.” (Seite 230, gebundene Ausgabe 2009)

Eigentlich wunderbar nach lateinischem Wörterbuch übersetzt, nur wer weiss schon auswendig, was ein Hypokrit sein soll? Vielleicht ein Angestellter der Hypobank? Oder hat das mit Hypokrates zu tun? Und dann ist hier noch so eine Phrase, bei der es für die Übersetzerin Heike offenbar einfacher war, wörtlich vorzugehen. Warum würde denn Jeff Hundefutter essen? Er stellt doch gar keines her. Autsch!

Hypocrite (engl.) mit Hypokrit (dt.) zu übersetzen ist zwar völlig korrekt, aber reduziert das Verständnis. Man muss nämlich wissen, dass das englische Wort der Mehrzahl der englischen Mittersprachler geläufig ist, gleichzeitig Hypokrit von der Mehrzahl der Deutschsprecher im Wörterbuch nachgeschlagen werden muss. “Hypo” heisst schlicht “darunter”, genau so wie “Hyper” “darüber” bedeutet. Und “crit” kommt von “critical”, im weitesten sinne kritsch. Gemeint ist also jemand, der Unterkritisch ist, was seine eigenen Aussagen betrifft, oder in einer deutschen Redewendung beschrieben: jemand der Wasser predigt und Wein trinkt. Kurz, ein Heuchler.

Das mit dem Hundefutter ist aber wirklich ein vergehen, bei uns im deutschen Sprachraum schlucken wir höchstens unsere eigene Medizin, wenn wir meinen, dass wir unseren eigenen Rat befolgen. Die Wendung kommt laut Wikipedia aus Werbungen für Alpo Hundefutter, bei der Lorne Greene (Bonanza!) sagt, das wäre so gut, dass er es sogar seinen eigenen Hunden zu Fressen gibt. Generall meint man damit, dass man seine eigenen Produkte verwendet, weil man von von deren Qualität überzeugt ist.

Mein Vorschlag für eine Variante, die ohne Stirnrunzeln und Wörterbuch auskommt:

“Ich gestehe, ich bin ein Heuchler: Hätte ich meine eigenen Regeln befolgt – hätte ich meine eigene Medizin geschluckt -, würden Sie dieses Buch jetzt nicht lesen, jedenfalls nicht in Buchform.”