Den Weihnachtsabend 2006 hatte ich alleine zu Hause verbracht, denn ich war der zerissenen Gefühleüberdrüssig geworden, welche ich im Jahr zuvor erlebt hatte. Für mich ist Frieden in der Welt mit dem Alter immer wichtiger geworden, der Friede in der Familie war leider durch persönliche Differenzen diverser Familienmitglieder und deren Partnerinnen abhanden gekommen. Durch meine Weihnachtsabstinenz wollte ich die Streithanseln zur Versöhnung animieren. Wenn mich wer fragte, wie ich feiern würde, meldete ich nur lapidar "Gar nicht! Ich habe Weihnachten abgesagt."
An diesem Abend begab es sich jedoch, dass eine nette und intelligente junge Dame mich zum ersten Mal anrief um mit mir einige Stunden über Freiheit, Stille und Abenteuer zu philosophieren. Damals wusste ich noch nicht, dass dieser Anruf das größte Geschenk für mich werden sollte, denn er legte den Grundstein für unsere Beziehung. Die Genannte ist nämlich meine Britta. So war es für mich völlig logisch, das diesjährige Friedensfest mit Britta und ihrer Familie in Weistrach zu verbringen. Plötzlich bekam ich wieder jenes friedliche und fröhliche Weihnachtsfest, nach dem ich mich so lange gesehnt hatte.
Um 15 Uhr schmückten wir im Haus der Eltern mit der Präzision eines Ingenieurs den imposanten Nadelbaum, während jene mit Laternen in das lokale Gotteshaus pilgerten um das aus Jerusalem importierte Friedenslicht mitzunehmen. Nach einem ausführlichen Weihnachtsbad fanden wir uns zu einem feudalen Dinner ein. Eine Bescherung, wie die folgende, hatte ich so noch nicht erlebt.
Einer Umfrage zufolge hat jede vierte Frau Angst Küchenmaschinen zu bekommen, jeder dritte Mann hasst Krawatten zu bekommen. Die beliebtesten Geschenke hingegen wären Selbstgemachtes und Bücher. Meine neue Wahlfamilie war hier Meister, auch bei der Überreichung hatte sie eine ungewöhnliche Vorgangsweise eingeführt. Einer nach dem anderen setzte sich auf einen "heissen Stuhl" und bekam der Reihe nach einzeln alle Geschenke überreicht. Diese Methode hat den großen Vorteil, dass die Bescherung viel länger dauert und man obendrein an der Freude des Beschenkten teilhaben kann. Und diese war groß, vielleicht weil die Mehrzahl der Geschenke Bücher waren mit Selbstgestricktem zur Auflockerung.
Die größte Freude hatte ich an einer adretten Haube-Schal-Kombi, die meine Liebste heimlich fabriziert hatte. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, weil die raffinierte Britta hatte in meiner Anwesenheit immer fleissig an einem grünen Wuschelschaal für ihre Mutter gestrickt. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass simultan auch zwei Geschenke für mich entstehen. Die schönsten Geschenke sind für mich jene, die ich nicht erwarte. Ebenso wertvoll war für mich aber das immaterielle Geschenk, Weihnachten in eine liebe Familie integriert zu erleben.
Dieser Frieden und die gemeinsame Freude sind einfach unbezahlbar.