Von kleinen und großen Kindern

12. November 2007 - 21:56

Ich nützte erstmalig meinen Presseausweis um freien Eintritt bei einer Messe zu ergattern, es war die Kiddyworld Messe im Austria Center. Mich faszinierten die zwei Vorträge von Gerhard Spitzer, der sich seit viele Jahren mit der Erziehung von "verhaltenskreativen Kindern" beschäftigt. Wir hörten erst über die 7 letzten Erziehungsfallen und im Anschluss erzählte er uns über seine Erfahrung über die Unsinnigkeit von Strafen. Vieles des Gesagten trifft wohl auch auf Erwachsene zu, die im Herzen selbst große Kinder sind, die sich eigentlich selbst erziehen sollten.

Die Erziehung von Kindern ist ein Thema, das mich noch nervös machen kann. Einerseits will man der beste mögliche Vater sein, andererseits will man seine Sprösslinge möglichst nicht verhunzen. Noch ist kein Baby im Anmarsch, aber besser ist, darauf vorbereitet zu sein... vorsorglich kaufte ich das angebotene Buch von Spitzer "Entspannt erziehen".

Ich gehörte zur Generation von Kindern, die mit Pampers aufwuchsen, einer praktischen, aber extrem müllintesiven Variante. Die moderne Alternative sind (wieder) Stoffwindeln, denn diese ersparen der Umwelt während einer Baby-Karriere etwa 1 Tonne an Müll und den Eltern etwa 2000 Euro an Geld. In England sollen sie der totale Renner sein, mehrere österreichische Bundesländer schiessen gar 100 EUR zu den Anschaffungskosten hinzu, weil damit die Müllbeseitigung wesentlich entlastet wird.

Nebenbei werden Babies in Stoffwindeln bis zu einem Jahr früher trocken, weil die Motivation zur Selbstkontrolle in den kuscheligen super-saugfähigen Wegwerf-Windeln wesentlich geringer ist, als in Stoffwindeln, die sich unangenehm nass anfühlen. Alleine schon deswegen brauch ich diese für meine kleinen Dropse, weil ich mir damit rund tausend gesundheitsgefährliche Einsätze auf der Sondermülldeponie ersparen kann.

Wir lösten dann jene Gutscheine für "Dinner&Casino" ein, die ich am Concordia-Ball gewonnen hatte. Im nahe gelegenen Baden bei Wien checkten wir in das viersternige Parkhotel ein. Das Zimmer war einfach, mit einem leicht verblassten Charme von Jugendstil, aber angenehm sauber.

In der Hoffnung auf angenehme Temperaturen statteten der nahen Römertherme einen kurzen Besuch ab. Eine sehr kurzen, denn außerhalb des Wassers war die Luft in der Therme eiskalt. Wir waren uns einig, so viel hatten wir noch nie in einem Thermalbad gefroren. Es regten sich verträumte Gedanken an Bad Blumau, der meiner Meinung nach besten Therme von Österreich.

Das Abendessen im Restaurant des Casino entschädigte uns für vieles. Alles 1A, da gab es nichts zu meckern. Selbst die vegetarische Sonder-Speisenfolge für mich bewies, dass der Cook in Residence zum kulinarischen Spitzenfeld gehören mußte. Die Speisen waren im Gutschein enthalten gewesen, die Getränke leider nicht. Schade eigentlich.

Das Casino Baden in puncto Poker völlig übergeschnappt, denn sie bieten am Wochenende nur Tische mit Texas Hold Em No Limit mit Blinds von 2 und 4 Euro an. Hier ist das kleinste Buy-In 100 EUR, die aber dank der schnellen Erhöhungsbereitschaft am Tisch völlig kaum lange reichten. So sah man fortwährend Anfänger-Spieler entsprechende Banknoten zücken, die dann stets flugs in Form von Chips zu den offensichtlichen Profi-Spielern wanderten. Casinos Austria verdient hier ordentlich mit, denn von jedem Pot kassieren sie einen lukrativen Anteil, den sogenannten "Rake". Und diese Gebühr ist doppelt so hoch wie beim ansonsten üblichen 1-2-Euro-Cash-Game. Wie bei allen anderen Glückspielen gewinnt hier das Haus am meisten.

Poker-Haie erkennt man übrigens am leichtesten daran, dass sie sich ständig nervös mit ihren Chips spielen, eine Berufskrankheit zur Beruhigung der permanent gestressten Nerven der Raubtiere. Sie lauern in den Casinos auf unerfahrene Poker-Neulinge, welche die neue Poker-Flut in ihre Reviere spült. Es kostet eine schöne Stange Geld, will man sich "einmal wie James Bond" fühlen. Für die armen Opfer empfand ich Traurigkeit, etwa so wie man die Gazelle betreuert, die der Löwe in der Natursendung im TV gerissen hat.

Danke, ich habe kein Interesse mit den Haien zu schwimmen. Ich suchte mein Glück stattdessen an einem dezentral gelegenen Black Jack Tisch, wo ich meine 50 EUR an geschenkten Chips erfolgreich eine Stunde verteidigte und so schließlich entspannt mit 62 EUR an Gewinn nach Hause ging. Trotz aller Turbulenzen war es ein schönes Wochenende, insbesondere, wenn man bedenkt, dass wir es nicht bezahlen mußten.

Am Sonntag konnte ich bei starkem Schneefall dem Drang nicht mehr widerstehen, die Britta mit Schneebällen zu bewerfen und meine Männlichkeit durch anschließende Einreibung mit Schnee zu beweisen. Wieder daheim im Haus am Lande spielte ich weiter an Half-Life 2, einem 3D-Shooter. Es ist gut erwachsen zu sein ... denn dann kann einem keiner mehr das Spielen verbieten. ;-)