Bisher hatte ich mich der Illusion hingegeben, dass ich locker wieder all jenes Geld zurückgewinnen könne, das ich bisher schon beim Pokern in den Sand gesetzt hatte. Ich bin ja ein ganz Genauer, alle meine Ausgaben für Glückspiel sind haarklein in einem Buchhaltungsprogramm erfaßt. So traf mich erst recht der Schlag, als ich gestern bemerkte, dass ich seit Beginn meiner Glückspiel-Experimente mehr als doppelt so viel Geld versemmelt hatte, als ich mit Gewinnen wieder heineinbekam. Eine schlechte Rendite: -50%.
Heute habe ich wieder eine Nacht mit der Zockerei verschissen, ich fühle mich schlecht, habe ein hochgradig schlechtes Gewissen allen Leuten mir gegenüber, die mir in Geldsachen vertrauen und vor allem habe ich einen Graus davor, eingestehen zu müssen dass ich mich verführen habe lasse. Ich muss immer wieder an meine Lebensgefährtin denken, die mir das vorausgesagt hat. Sie kennt mich besser, als ich mich selbst kennen wollte. Das ist sicher auch der Grund, weshalb ich Drogen generell meide, ich bin - glaube ich - eine Person mit hohem Suchtpotential.
Der Kick immer wieder einmal den Soundeffekt zu vernehmen, wenn man einen Pot gewinnt, fährt ein wie ein billiger Zucker-Rausch, ist aber um eine Größenordnung teurer. Mir wurde auch vorgeschlagen, ich sollte doch um Spielgeld spielen, aber wenn die Sucht Dich gepackt hat, dann kann man das vergessen. Da kommt kein Rausch auf. Immer größer werden die Einsätze, die man cool riskiert um wieder auf "Bari" zu kommen. Ein Sog, ein Strudel, der Dich immer weiter nach unten zieht. Sich selbst so betrügen, dass ist wohl auch der erste Schritt in die Kriminalität.
Man kann sich nicht kontrollieren, wenn es keine Beschränkungen gibt! Ich halte mich für einen intelligenten Menschen und ich konnte es auch nicht.
Jetzt ist Schluß! Die einzige Möglichkeit, mit der ich mich von weiteren Poker-Sucht-Anfällen heilen kann ist "cold turkey", also komplettes Abdrehen meiner Droge, dem online Pokerspiel. Das war mein Heroin. Im Klartext bedeutet das, ich habe vorhin mein BWIN Poker Konto unwiederruflich sperren lassen. Auf der entsprechenden Seite von BWIN steht so schön geschrieben: "Spielen bereitet mir finanzielle, soziale oder persönliche Probleme. Darum möchte ich im Rahmen der Spielsuchtprävention Ihr Angebot der Kontosperre annehmen." Trifft fast alles zu, muss ich eingestehen.
Britta hat mir zwar zugesagt, dass sie mich gerne durchfüttern würde, sollte ich all mein Hab und Gut verlieren, aber meine Angst ist einfach viel zu groß, dass sie sich von mir abwendet, wenn ich nicht einen permanenten Schlußstrich unter meine Online-Poker-Sucht setze. Auch ertrage ich nicht den Spagat einerseit der tolle Geld-Berater sein zu wollen und andererseits Unsummen von Geld zu vernichten. Daher dieser entgültige Schritt, nicht unähnlich der Aktion mit meinem Auto.
Pokern will ich, wenn überhaupt, nunmehr nur mehr mit echten Karten und mit echten Menschen, denen ich physisch gegenüber sitze. Ich kann ja gelegentlich mal wieder zu Poker-Turnieren gehen, wo ich um 25 EUR solange Pokern kann, bis ich nicht mehr sitzen kann. Das macht wesentlich mehr Spaß und ich riskiere nur Kreuzschmerzen und nicht meine Existenz.