GusiTube als Einschlafhilfe #

30. November 2007 09:41

Wer hat nicht das Problem, dass er manchmal abends herumwälzt und vor Sorge um seine Pension nicht einschlafen kann? Der Fernseher ist auch keine Hilfe, hunderte Kanäle voller Nichts zum Anschauen. Doch halt! Bundeskanzler Gusenbauer kommt zu Hilfe!

GusiTube

Gusi stellt sich nun regelmäßig vor einen Teleprompter und liest uns sanfte Videobotschafen zum Einschlafen vor. Diese finden sich online unter den Videobotschaften des Bundeskanzleramts. Wer dann immer noch nicht schlafen kann, weil sich statt Müdigkeit nun Grant regt, der sei empfohlen: mache doch einfach die Augen zu, denn vermutlich macht Dich nur Gusis Gefuchtel mit den Händen so nervös.

Herr Gusenbauer kann leider nicht singen, denn sonst hätte er, wie früher nach Programmschluss üblich, die Nationalhymne als Wiegenlied angestimmt. Aber seine Statements stehen dem “Land der Berge. Land der Ströhöme” in Lobhudelei in Nichts nach, seine Spin-Doctors haben ihm aus ihrem Phrasen-Synthesizer die besten wohlklingenden Sätze in den Mund gelegt. Die Message ist jedenfalls leicht zu verstehen: Österreich ist super. Wenn es super bleiben soll, dann wählt mich auch bei der nächsten Nationalratswahl, denn ich bin modern, fesch, kann gut reden und bin jetzt auf GusiTube!

Man wird ja träumen dürfen. *schnarch*

Link: Videobotschaften des Bundeskanzleramts

Sozialversicherungskrise? Meine Ideen. #

29. November 2007 21:26

Es verschlägt die Wiener U-Bahn-Zeitung am frühen Morgen schon bis nach West-Österreich, wenn die ersten Wiener zu ihren Arbeitsplätzen an der Westbahnstrecke fahren. So bekomme ich dieses wertvolle Stimmungsbarometer immer morgens in Haag in die Hand, wenn ich nach Wien reinpendle. Hauptthema heute ist das Rekord-Defizit der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK).

Gab es 1997 noch einen Bilanz-Überschuss von über 60 Millionen Euro, folgte 1998 der Absturz auf ein Minus von mehr als 40 Millionen. Ich frage mich, was da passiert ist. Seither ist der Begriff “kranke Kasse” in aller Munde, diesjährig zusätzlich angefacht durch die letzten Zahlen, die einen Fehlbetrag von mehr als 100 Millionen bescheinigen. Ich war bisher nicht beunruhigt, nahm ich doch an, dass die rote Stadt Wien sicher für die Differenz aufkommen würde. Umso erschreckender ist für mich als fleissiger Abgabenzahler die Aussage des Rechnungshofs, dass die WGKK eigentlich reif für einen Konkurs sei. Auf einmal ist die Wiener SPÖ gar nicht mehr so stolz auf ihre Vormachtstellung im ach so sozialen Wien.

In den letzten 14 Monaten (Dez 2006 – Nov 2007) habe ich von meinem Bruttogehalt 10.000 EUR in das “rote Loch” WGKK eingezahlt, mein Dienstgeber mußte noch zusätzlich rund 12.000 EUR drauflegen. Von dem Geld gingen …

12.700 EUR für Pensionisten
4.200 EUR für kranke Leute
3.300 EUR für Arbeitslose
600 EUR für die Wohnbauförderung
500 EUR an die Stadt Wien
300 EUR für die Arbeiterkammer

Ich habe damit 2 Pensionisten gefüttert, die durchnittliche Pension in Österreich beträgt rund 500 EUR. Das AMS konnte von meinem Beitrag 4 Monate an Arbeitslosengeld zahlen, das durchschnittliche Arbeitslosengeld für Männer beträgt rund 770 EUR.

Konsumiert habe ich hingegen gerade mal ein paar Hundert Euro an Sozialleistungen, weil ich ein paar Mal beim Arzt war. Jedes Mal, wenn ich einen Gehaltszettel in die Hand nehme, dann steigt in mir die Wut auf dieses lächerliche System auf. Wenn man sich bewusst macht, dass einem von jedem Gehalt 15% an Gemeinnutzen abgezogen werden, dann vergeht einem beinahe die Lust auf das Arbeiten selbst.

Versicherung ist immer dann ein schlechtes Geschäft, wenn man sie nicht braucht. Ihr Prinzip ist ja, dass ich für für einen beliebigen Schadensfall ausrechnen kann, wie wahrscheinlich dieser ist. Als Versicherung versuche ich dieses Kosten-Risiko auf möglichst viele Kunden zu verteilen. Daher suche ich mir Personen, die so einen Vertrag bei mir abschliessen. Der Clou ist, dass eine Krankenkasse sich nicht um Kunden bemühen muss, denn erstens ist man als Österreicher verpflichtet sich sozial zu versichern. Zweitens haben die Kassen allesamt Monopolstellung. Drittens erhebt niemand Anspruch auf Kontrolle über seine Sozialabgaben, da diese eh vor der Auszahlung vom Arbeitgeber bereits abgeführt werden, man fand sich damit ab, dass das Geld einfach weg ist.

Aufgrund ihrer privilegierten Stellung braucht sich das Geld für die Krankenkassen nicht ausgehen, auf dem freien Markt wäre die WGKK vermutlich wirklich schon bankrott gegangen.

Der versicherungsmathematische Imperativ ist, dass ein potentiell “teurerer Versicherungskunde” auch höhere Prämien zahlen sollte, wie z.B. beim Bonus/Malus-System der Autoversicherung. So könnte man für jeden Versicherungsnehmer statistisch berechnen, wie wahrscheinlich er in diesem Jahr in Pension gehen, arbeitslos oder krank werden wird. Und wenn so ein “Schadensfall” eintritt, dann kann man ziemlich genau schätzen, was dieser die Kasse kosten wird. Dieses Risiko könnte man über mehrere Kategorien hinweg aufteilen: nach Alter, nach Branche, nach Gesundheit. Daraus würden sich ständig dynamisch angepaßte Versicherungsprämien ergeben. Es wäre dann besser, wenn diese nicht mehr vom Arbeitgeber abgeführt, sondern dynamisch vom Bankkonto abgezogen würden. Weil die Versicherung weiß, wann das Geld auf’s Konto kommt, könnte sie den Einzug mit gleichem Valuta durchführen, so dass der Versicherungsnehmer die Prämien nicht “versehentlich” ausgeben kann.

Wäre das nicht unfair für manche Bevölkerungsgruppen? Nun, mit dem Alter und der Lebensgebarung werden Krankheit und Pension wahrscheinlicher. Somit würden die Prämien für die Menschen die aufgrund langer Beschäftigungszeiten wesentlich besser verdienen auch teurer. Junge Leute, die noch Geld brauchen um Familien zu ernähren, würden auch mehr Geld in die Hand bekommen. Hier hätten wir die Lösung für das Dilemma, dass junge Lehrer in Österreich zu wenig verdienen.

Würden junge Familien auf diese Weise entlastet, kämen sie vielleicht eher auf den Gedanken sich Kinder anzuschaffen, was wieder ein Bonus für das marode Pensionssystem wäre. Ich möchte in diesem Zusammenhang dem Staat Österreich ein Geschäft vorschlagen. Wenn mir die Zahlungen an die Pensionskasse erlassen werden, dann verspreche hiermit, mit den zusätzlichen 1000 EUR monatlich sofort mit der Produktion von Nachwuchs zu beginnen. Ich werde die zusätzlichen 3 Österreicher in rund 20 Jahren fertig ausgebildet und mit hoher Zahlungsmoral ausgestattet liefern.

Die Kassen sind sowieso computerisiert und es wäre ein leichtes diese Zahlungsverwaltung elektronisch und automatisch durchzuführen. Den Arbeitgebern wäre das sicher auch recht, weil sie dadurch wesentlich weniger Aufwand bei der Bezahlung ihrer Arbeitnehmer hätten. Das könnte viele zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, weil es für die Unternehmer keinen Unterschied mehr zwischen Vollzeit, Teilzeit, Freier Dienstnehmer oder Selbständigen geben würde. Diese Unterscheidung würde die Kasse dynamisch treffen und sich quasi mit den Arbeitenden basierend auf ihren Beschäftigungsdaten direkt ausmachen.

Privatisierung für die Krankenkassen ist natürlich auch keine Lösung, denn eine wirtschaftlich denkende Versicherung wird immer versuchen, sich um möglichst viele Leistungen “zu schrauben” um vom Gewinn dann fette Dividenden an die Besitzer zu zahlen. Das hat uns das amerikanische Experiment gut dokumentiert vorgemacht. Aber ich glaube, dass die Bevölkerung zu begreifen beginnt, dass der sozialistische Solidar-Gedanke “gleiche Gebühren für alle unabhängig von den Leistungen” einfach nicht mehr funktionieren kann.

Am tollsten ins Knie schießt sich die Krankenkassen aber sicherlich durch die Höchstbeitragsgrundlage von 52500 EUR. Gerade in Wien sitzen neben den meisten Pensionisten nämlich auch die am besten verdienenden Politiker, Geschäftsführer und Beamten. Mein Jahreseinkommen beträgt 45.000 EUR, ich bin damit nur 7000 EUR vom der maximalen Beitragsgrundlage entfernt, obwohl ich nur leicht überdurchschnittlich verdiene. All die Krösi mit dem zehnfachen Einkommen von mir haben dennoch kaum mehr an Sozialleistungen zu tätigen. Die Einkommenssteuer ist da wesentlich fairer, denn hier gibt es diese verzerrende Obergrenze nicht. Danke, dass ist ur fair! Sehr sozial!

Film Preview: Fred Claus #

29. November 2007 00:01

Für sich ist die Idee des kommenden Weihnachtsfilms Fred Claus recht interessant. Im Intro sehen wir die Geschwister Fred und Nick Claus, wie sie in einem Märchenwald aufwachsen. Fred wollte immer nur der beste große Bruder sein, aber Nick will immer anderen Leuten Gutes tun und bemerkt nicht, dass er dadurch seinen Bruder immer weiter von sich wegtreibt. Nick wird so heilig, dass er zu Santa Claus wird, Fred so böse, dass er als Schuldeneintreiber in der großen Stadt arbeitet. Als Fred in einer prekären Situation seinen Bruder um Hilfe bitten muß, überredet Nick ihn ihm am Nordpol zu helfen.

Spätestens ab entgleist der Film, der recht süß mit einem Erzähler beginnt, zur Gänze und wandelt sich von einem süßen Familienfilm mit Moral zu einer kitschigen schlechten Komödie, die der amerikanischen Vorstellung von Santa Claus huldigt. Unmengen an Elfen wurden per Computergrafik eingeschrumpft. Eine große Weihnachtsstadt am Nordpol ist der Stützpunkt für Santa, von wo aus der ungustig fette alte Mann zu seiner Mission am Weihnachtsabend aufbricht. Keine kreativen Ideen bringend ist das einzige Spannungsmoment Vince Vaughn als Fred Claus, der für etwas Unordnung sorgt, obwohl er es gut meint. Kevin Spacey als Effizienz-Experte spielt zwar sehr gut, aber sein Charakter als Bösewicht, der Santa wegrationalisieren will, bringt dem Film kaum etwas.

So plätschert das ganze so vor sich hin und am Ende ist es wie bei McDonalds. Man hat zwar was gegessen, ist aber in Kürze wieder hungrig nach etwas “Echtem”. Die Läuterung von Vaughn und Spacey und ihre Wiedervereinigung mit Santa ist zwar nett gemeint, ist aber nur eine schwache Handlungsmotivation. Es fehlen Witz, Handlung, Charaktere und Ideen. Diesen Film kann man sich getrost sparen, es sei denn, man will wissen, wie sich das amerikanische Jugendvolk Weihnachten vorstellt.

Österreich gegen Kyoto, 0 zu 1 #

26. November 2007 19:23

Ich tat mein Möglichstes, aber ich habe Kyoto trotzdem nicht geschafft.

Während die meisten anderen Staaten, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben, ihre eigene Vorgabe der Treibhausgas-Beschränkung locker erfüllen, hat Österreich mal wieder nur mitgeredet, aber nicht gehandelt.

Laut des letzten Fortschrittsberichts des Umweltbundesamts 2005 gab es 2005 einen Mehrausstoß von 18 Prozent Treibhausgasen, obwohl Österreich sich zu einem Minus von 13 Prozent verpflichtet hatte. Um ein Drittel zu viel, das könnte jetzt die Zahlung einer Strafe zur Folge haben.

Kann mir einer sagen, warum wir nicht einmal unsere eigenen Vorhaben erfüllen können?

Die bedauerliche Antwort auf diese Frage ist: der typische Österreicher greift zwar im Billa zu “Ja, Natürlich” Bio-Produkten, denn man schaut ja auf sich. Aber wenn es um Umweltverschmutzung und Energie-Ökologie geht, dann sieht er nur ein großes Fragezeichen.

Warum Spanien? #

22. November 2007 09:59

Espana Logo von MiroMehrere sogenannte “Motivforschungsinstitute” versuchen zu ergründen, warum Menschen so handeln wie sie handeln. Unsereins kommt häufig in Kontakt mit ihnen, wenn man beispielsweise gebeten wird, einen Fragebogen auszufüllen oder einen entsprechenden Telefonanruf bekommt. Mit Fragebögen bekommt man als Motivforscher in kurzer Zeit viel Material, aus dem man sich dann eine passende Statistik fälschen kann. Aber die Befragten ärgern sich zumeist, weil einerseits geht man mit seiner Meinung in einer Masse unter, andererseits bekommt man dafür kein Schmerzensgeld.

Wesentlich erfreulicher ist die Teilnahme an einer Gruppendiskussion. Hierbei laden Motivforscher Personen aus der Zielgruppe ein, ihre Meinung zu bestimmten Themen offen zu diskutieren. Ich war gestern bei so einer Veranstaltung mit insgesamt 4 Männern, 4 Frauen, einer Diskussionsleiterin und einem Helfer, der eifrig am Laptop mitschrieb während eine dezente Videokamera uns filmte. Ich war zuvor telefonisch gefiltert worden, damit ich in die Zielgruppe passe, allerdings wurde uns erst nach etwa einem Drittel der zweistündigen Diskussion erklärt, was diese Zielgruppe sei.

Anfangs erzählten wir alle frei heraus über die letzten Urlaube, die wir so unternommen hatten, beschrieben die Planung eines besonderen Urlaubes genauer und dann mußten wir zu einem Stapel Fotos assoziieren, welche davon wir am ehesten mit dem Begriff “Abenteuer” verbinden würden. Dann erklärte uns die Moderatorin, dass wir zur Gruppe der Individualtouristen gehören würden und dass es insbesondere um Spanien ging. Hierbei stellte sich heraus, dass kaum einer von uns etwas mit dem Land der Stierkämpfer anzufangen weiß. Wir waren uns einig: wir fahren nur nach Spanien, wenn wir alle anderen Reiseziele auf unserer Wunschliste erledigt haben. Spanien ist für Individualisten out, Stichwort: Ballermann.

Uns wurden 4 “Packages” vorgelegt, die wir bewerten un in eine Rangfolge bringen sollten. Dabei spitzten die Forscher besonders die Ohren, wenn wir erklärten, welche einzelnen Elemente uns am meisten ansprachen. Fahrt mit einem Fischerboot. Ein Apartment in den Bergen von Madrid mieten. Katalanischer Kochkurs. Das waren meine Favoriten. Sport in Naturschutzgebieten. Dies war der konkreteste Programmpunkt und gleichzeitig jener bei dem die Diskussionsteilnehmer die verschiedensten Meinungen vertraten. Eine Person mit psychologischem Geschick findet in unseren Äusserungen ein Riesenmenge an wertvollen Indizien, die ein herkömmlicher Fragebogen wahrscheinlich ignoriert hätte.

Zum Abschluss zeigte die Leiterin uns noch das bekannte Spanien-Logo von Miró, bestehend aus einem Sonnen-Symbol mit kindlicher Schrift Espana darunter. Hier waren wir uns wieder einig: das ist zu ausgelutscht und braucht dringend Erneuerung. Pünktlich zwei Stunden nach Beginn wurde uns für die Teilnahme gedankt, die Aufwandsentschädigung von 25 Euro hatten wir schon vor Beginn eingesackt. Die Unterhaltung war im Verlauf immer angeregter geworden und so verflog die Zeit wie im Flug.

Das Spannende an diesen Gruppendiskussionen ist neben des Taschengeldes für mich, zu überlegen, um welchen Auftraggeber oder welches Produkt es gehen könnte. Bei meiner ersten Diskussion ging es darum, ob wir mehr für einen Orangensaft zahlen würden, der nicht aus Konzentrat hergestellt und daher im Kühlregal zu finden sein würde. Wenig später war Cappy Premium tatsächlich eingeführt worden. Ich vermute im aktuellen Fall, dass entweder Spanien selbst wissen möchte, wie sie bestimmte Schichten von finanzkräftigen Touristen ansprechen können, oder dass ein exklusiver Veranstalter plant Spanien als Destination für Individualtouristen abseits des Ballermann-Trubels zu reüssieren.

Mein Morgen #

21. November 2007 20:08

Durch die graue Suppe, vorbei an kahlen Bäumen und schneebedeckten Hügeln braust der Zug, der mich aus Deinen Armen zu einem Arbeitsplatz in der großen Stadt entführt. Der Wecker ist mein größter Feind.

Das Aufstehen um halb 7 ist schmerzhaft, mit jedem neuen Klingeln will ich den Wecker erneut an die Wand werfen. Das Warten auf den Ablauf der Schlummerzeit ist wie die chinesische Wasserfolter. Ich halte nicht mehr als 3 Tropfen aus, denn reiße ich mich aus dem Bett.

Mein Kreuzweg führt mich in die Küche, wo ich mir einen Herbalife Shake genehmige. Vielleicht helfen Vitamine und etwas Eiweiß. Schlimmer als Zimmertemperatur ist, sich in ein Auto mit 3 Grad Innentemperatur setzen zu müssen. Heldenhaft aktiviere ich die Standheizung unserer goldenen Kutsche mit der Fernbedienung.

Wenn mir dann das Wasser der Dusche über das Genick rinnt, drehe ich es von warm auf heiß, so heiß wie ich es ertragen kann. Das Prickeln auf der Rückseite meines Halses wärmt mein Blut auf und weckt meine Lust auf den Tag. Dann muss ich breit grinsen, weil Du mir auf die Glaswand ein großes Herz mit “O+B” gemalt hast, das erst im Dampf sichtbar wird.

Ich fische mir ein Handtuch, rubble mich so trocken wie möglich bevor ich mich traue, die Schleusentür zur Wohnung zu öffnen. Ich beisse die Zähne zusammen und trete aus der Dusche. Ein zweites Mal muss ich noch rubbeln, weil die dampfige Dusche zwar wohlig warm ist, aber nicht erlaubt, ganz trocken zu werden.

Das ÖBB Ticket habe ich schon am Vorabend ausgedruckt, gleichermaßen als Vorausahnung für den kommenden Trennungsschmerz. Ich küsse Dich noch so intensiv wie möglich, bevor ich aus dem Auto steige. Denn jetzt beginnt meine Sissi-Fuß-Routine erneut, wenn ich meine Daunenkugel die Stufen zum Bahnsteig hinaufrolle.

Umsteigen auf Teilzeit, Karenz, Grippe oder andere tödliche Krankheiten. Sterben ist mir egal, solange es in Deinen Armen passiert. Ich bin zuversichtlich, meine Prinzessin. Irgendwas wird sich da ergeben, damit ich nicht wochen-täglich an die Front muss.

Film: Beowulf #

19. November 2007 23:49

Nachdem der bekannte Regisseur Robert Zemekis sich mit Tom Hanks an seinem ersten computeranimerten Film (The Polar Express) gewagt hatte, sah er sich wohl bereit für auswendigere Produktionen in dieser Machart. Sein aktuelles Werk erzählt die angelsächsichen Heldendichtung Beowulf, nach der ein junger Held mit 14 Kumpanen auf der Suche nach ehrvollen Abenteuern einem König gegen das Monster Grendel beisteht.

Die Sprecher der Charaktere haben ihre Gesichter zur Verfügung gestellt, häufig entsteht der Effekt, dass man eine Ähnlichkeit sieht, aber sich doch denkt, dass sie nicht gleich aussehen. Fast so, als würde man Gesichter sehen und man könne sich nicht an deren Namen erinnern, obwohl man sicher ist, sie zu kennen. Anthony Hopkins inspirierte einen fetten König, Angelina Jolie als Mutter von Grendel, das sind schon die bekanntesten Leute. Alle Gesichter sind detailreich und sehr gut gelungen, oft schaute ich in langsamen Szenen fasziniert auf irgendeine Spiegelung oder auf den Bart eines der Menschen. Überall gibt es etwas zu sehen, selbst der Körper von Beowulf, der sich auffällig häufig nackig zeigen möchte, könnte aus einer Calvin Klein Werbung stammen. Dies sorgte manchmal für ausgiebiges Schmunzeln im Kinosaal.

Optisch gefiel mir Beowulf besser als der Film “300″, weil er den Standard in Bezug auf Fotorealismus weiter in die Höhe treibt. 300 war absichtlich einem Comic Strip nachempfunden, Beowulf hingegen nützt ungewöhnliche Kamerafahrten und Spezialeffekte um zu zeigen, was für ungewöhnliche Einstellungen dank der Animation im Computer möglich sind. Will man eine Moral in Beowulf entdecken, dann wohl jene, dass Männer gerne ihre Heldentaten übertreiben und der Verlockung der Macht erliegen. Auch wenn sie gleichzeitig das Potential haben, ihre Fehler auch wieder gut zu machen.

Die Geschichte kommt mit überraschend wenig Hektik aus, Action-Fans langweilen sich stellenweise sogar. Aber die originalen Stimmen der Sprecher sind ein Genuß zu hören, wenn es ruhiger zu geht. Wenn es dann wieder Schlag auf Schlag geht, ist man mitgerissen und vergißt, dass der Film aus dem Computer stammt. Wer sich für Fantasy-Action erwärmen kann, der ist mit Beowulf gut beraten, man bekommt einiges geboten.

Männlicher Klimawandel #

19. November 2007 21:06

Ich sitze CO²-schonend im Zug nach Wien und schmunzle über einen Artikel in der U-Bahn-Zeitung. Eine Wissenschaftlerin will herausgefunden haben, dass wir Männer die Hauptverursacher der Klimaerwärmung sind. Beweisen kann sie es zwar nicht, aber es ist logisch: die Männer haben die Macht, also auch dafür, nichts gegen das CO² zu tun.

Fleischkonsum gleich Schlachtvieh gleich Celluloseverdauung gleich Blähung gleich Methanproduktion. Penisverlängernde Sportwagen gleich Herumcruisen in PS-Boliden zum Zwecke der Beeindruckung des schönen Geschlechts gleich Abgase. Obendrein verdienen Männer mehr. Mehr Geld ist gleich mehr Verschwendung von Energie. Logisch, nicht biologisch.

Weiters begründet sie ihre provokante These damit, dass Frauen mehr Obst und Gemüse essen, effizentere Autos fahren und generell nicht nur besser riechen, sondern auch gescheiter sind. Wenn ein Mann das behauptet, dann ist er notgeil. Behauptet es eine Frau, ist die eine Emanze.

Ich habe meinen ökologischen Fußabdruck mithilfe des Online-Fußabdruck-Rechners von Umweltminister Josef Pröll selbst berechnet. Dabei stellte ich fest, dass mein eigener Abdruck bei Wohnen und Ernährung um 60% kleiner ist als der österreichische Durchschnitt, bei Mobilität um 16% kleiner und beim Konsum um ca. 6%. Ich weiß nicht, wo die Frau Forscherin aus Bremen wissenschaftliches Arbeiten gelernt hat. Aber soweit ich mich erinnern kann, reicht ein einziges Gegenbeispiel aus um eine Theorie zu Fall zu bringen.

Ich für meinen Teil denke mir, dass es dem Klima schnurzpiepegal ist, ob der Klimawandel ein männliches Nomen ist. Die Wissenschafter und vor allem die -innen sollten ihre Forschungsgelder besser in die Lösung unserer Energiekrise investieren statt den Finger warnend zu erheben oder gar auf bestimmte Menschengruppen zu zeigen. Kein Mann mag eine klugscheissende Frau, vor allem keine, die nichts von seinem dicken Auto hält.

Das männliche Ego ist nicht zu verteufeln, oft ist es der männliche Geltungsdrang, der den Fortschritt überhaupt erst in Gang setzt. Noch sind schnelle Benzin-Autos Standard, weil es bisher keine Alternative gab. Aber was wäre, wenn elektrisch betriebene Sportautos beginnen hipp zu werden?

Das perfekte Auto für die ökologisch verträgliche Midlife Crisis wird seit diesem Jahr gebaut: der Tesla Roadster. Für 100.000 Dollar bekommt man einen 100% elektrischen Sportwagen, der doppelt so viel Drehmoment auf den Rädern bietet wie ein Hochleistungsbenzinmotor. Dank 256 PS kommt man von Null auf Hundert in 4 Sekunden und 400 Kilometer weit mit einer Aufladung.

tesla

Den Klimakollaps werden wir nur alle gemeinsam verhindern können, in dem jeder, der kann, seinen kleinen Beitrag leistet. Lokal hergestellte Lebensmittel, statt LWK-transportiere Retorten-Tomaten aus einem Glashaus auf der anderen Seite von Europa. Eindämmung von Energieverschwendung durch bessere Isolation von Häusern. Wärmeerzeugung aus dem ökologischen Kreislauf, z.B. aus Holz statt Erdöl. Jeder, wo und wie er kann.

Reißerische Aussagen wie “Schuld ist der Mann!” sind nicht nur wenig hilfreich sondern auch gefährlich, weil sie vom wirklich wichtigen ablenken: dass wir alle gegen den Klimawandel aktiv werden.

Bärischer Wintereinbruch #

16. November 2007 09:45

Wenn der Winter kommt, dann verkriechen sich die Bären, soweit wir sie in Europa noch nicht ausgerottet haben, in ihre Höhlen. Passend zum metereologischen Wintereinbruch, den wir seit gestern erleben haben sich die Aktienmärkte verhalten. Sie haben sich wie ein Bär verkrochen und man bezeichnet daher ihr Verhalten mit “bärisch”. Das Gegenteil, also steigende Kurse, bezeichnen Börsianer mit “bullisch”. Wenn man den ATX Chart betrachtet, dann sieht man allerdings, dass trotz allen Schneefalls und apokalyptischer Einschätzung der Wiener Aktienmarkt langfristig doch sehr gesund am wachsen ist.

ATX November 2007

Seit 2004 wächst der Aktienmarkt in Österreich mit kraft-strotzenden 40% pro Jahr! Bei 4400 Punkten liegt aktuell der untere Rand unseres Trendkanals, zementiert wie die Privilegien der Politiker. Schlechte Finanzberichte, schlechte Laune aus Übersee und diverse Krisen in der kalten Jahreszeit können da logischerweise bewirken, dass wir auf den unteren Rand unseres Trends ankommen. Mir sind wohlhabende Individuen bekannt, die ihre Aktien-Engagements mittlerweile völlig aufgelöst haben und stattdessen ihre Kapital-Heil in Anleihen und Immobilien suchen.

Jetzt ist die Frage, wie es weitergeht, denn die vorherrschende Verkaufspanik könnte den ATX unter die Widerstandslinie drücken, was charttechnisch noch 5-10% weiteren Verfall ermöglichen würde. Coole Investoren lassen sich nicht von der Panik-Stimmung beeindrucken. Machen wir es wie der Bär: schlafen bis zum Frühling, dann wird die Börse sicher wieder aufwachen und herumtollen wie ein junger Bulle. Anders gesagt: “Nehmen Sie zwei Aspirin und rufen Sie mich im Frühjahr wieder an.”

Film: Atonement #

16. November 2007 02:07

Vom preisgekrönten Regisseur von “Pride&Prejudice” kommt Atonement, nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan. Die 13-jährige Briony Tallis beschuldigt den Liebhaber ihrer Schwester eines Verbrechens, das diese nicht begangen hat. Dieser kommt zunächst ins Gefägnis, geht dann aber zur Armee um im zweiten Weltkrieg seine Ehre wiederzugewinnen.

Atonement ist sehr ruhig und stressfrei und für die mäßige Substanz auch recht gut gespielt. Die Atmosphäre ist extrem kühl, aber speziell die Szenen der ersten Hälfte, welche auf einem Landsitz spielt, sind optisch anspruchsvoll. Mir gefielen ein paar unübliche Wendungen, in denen man zuerst die Sicht der Briony sieht und dann die gleiche Szene nochmals aus der Nähe.

Dieser Film wird uns als Liebesdrama verkauft, aber meiner Meinung nach gibt es weder genug Liebe noch genug Drama um diese Bezeichnung zu verdienen. Der Sündenfall der Briony prägt die erste Hälfte des Filmes, der Versuch der Wiedergutmachung und der Krieg kennzeichnen die zweite Hälfte. Aber irgendwie fehlt es an Spannung, oder Prickeln oder irgendetwas, das einen interessieren könnte.

Auch wollen die zwei Hälften des Films nicht recht zusammenpassen. Aber vielleicht bin ich überkritisch, weil ich mir mehr Inhalt erwarte oder zumindest große Emotionen, mit denen ich als Mann etwas anfangen kann. Damen könnte er gefallen, wenn sie historische Tragödien mögen.