Jelus, Bican, Bican-Jelus #

30. September 2007 20:41

Am letzten Wochenende haben sich Karin und Robert getraut und trauen lassen. Karin hatte offenbar den Wunsch nach einer Märchenhochzeit und die Zutaten dafür waren ein Schloss, ein voluminöses weißes Kleid mit Schleider und … ah, den brauchen wir ja auch … ihren speziellen Traumprinzen in Gestalt von Robert.

Die Hochzeit hätte schon vor einem Jahr stattfinden sollen, aber widrige Umstände zwangen die beiden Freunde von mir um ein Jahr zu verschieben. Resultat dieses Opfers waren einige vergrämte Menschen, Freunde wandten sich ab, aber Karin und Robert schweißen die Widrigkeiten nur noch enger zusammen.

Am Ende sagte sogar noch der DJ ab, aber ich hielt bis zuletzt wacker zu den zu Vermählenden. Erst war ein Live-Musiker spontan organisiert worden, der wurde dann wieder krank, aber der zweite bestellte Musikant schaffte es bis zum Fest. Er spielte live auf, während ich zum Essen und in Pausen Musik aus der mp3-Konserve dudelte.

Wir machten das beste daraus, möglichst allen Stress von Karin und Robert fern zu halten und das gelang uns auch sehr gut, so dass sich diese in einer sehr schönen Zeremonie im Schloßhof das Ja-Wort geben konnten. Sehr amüsant war auch der ungewöhnliche Priester, ein “freier Katholik”, der auf den ersten Blick eher wie ein Rockmusiker aussieht, aber bei genauerem Hinschauen ein ganz besonderer Padre ist. Er ist jene Art von Geistlicher, die katholische Zeremonien ausserhalb der Macht-Struktur der römisch-katholischen Kirche vollziehen kann.

Herbert, ein steirischer Gaudi-Musiker schaffte es die Älteren der Gäste gut zu unterhalten, diverse Einlagen und Spiele sorgen für Abwechslung. Die jüngsten Gäste hätten lieber Techno-Musik gehabt, aber diesem Geschmack auch noch Rechnung zu tragen war uns nicht möglich.

Ich nützte so viele Gelegenheiten wie möglich, das Tanzbein mit meiner Britta zu schwingen, wir waren vielleicht schon etwas eingerostet, aber dennoch waren sich alle Anwesenden einig, dass wir einfach toll zusammen passen würden und so wunderschön tänzerisch harmonieren würden. So wurden wir unwissentlich zur permanenten Showeinlage, aber das störte uns nicht weiter.

Himmlisch fand ich den Luxus, nach Endes der Festes nur wenige Schritte auf unser Zimmer gehen zu müssen. Danke Karin und Robert für das schöne Fest und den Luxus, den ihr uns geboten habt. Ich wünsche Euch nochmals das Allerbeste auf euerem weiteren gemeinsamen Weg!

Jugendlicher sprengt den Automaten #

27. September 2007 18:12

Thema Vandalismus: der Automat an dem ich heute in der Früh meine Fahrkarte nach Wien kaufen wollte ist Opfer von Vandalen geworden, wieder. Das ist für sich nicht neu, denn der selbe Automat war schon so lange kaputt gewesen, wie ich mit der Bahn aufs Land fahre.

Vandalisierter Fahrscheinautomat

Allerdings hatte die ÖBB das Gerät vor etwa einem Monat reparieren lassen und ich hatte letzte Woche sogar einmal eine Karte damit gekauft. Jetzt ist er wieder hin. Der darauf klebende Zettel informiert über die traurigen Tatsachen:

“Sehr geehrte Fahrgäste!

Auf Grund von Vandalismus ist der Fahrkartenautomat defekt.

Bitte geben Sie Ihren Wunsch nach einer Fahrkarte unmittelbar nach Fahrtantritt im Zug dessen Zugbegleiter bekannt und Sie erhalten Ihre Fahrkarte zuschlagfrei.

Für Fahrplanauskünfte steht Ihnen unser Callcenter 05/1717 zum Ortstarif zur Verfügung.

Wir bitte um Verständnis und wünschen eine angenehme Reise!”

Da frage ich mich, warum jetzt die ÖBB um mein Verständnis ersucht. Einerseits brauche ich nicht die ÖBB verstehen, weil sie ja nichts falsch gemacht hat. Andererseits muss man eher Verständnis mit dem jugendlichen Missetäter haben, denn dieser ist halt ein bisserl dumm und kann nicht anders. Und drittens verstehe ich auch den Vandalen nicht, ich kann nur vermuten, dass er sich damit irgendeinen Vorteil verschaffen wollte: Geld für Drogen, die anderen Kids in der Gang beeindrucken oder schlicht in der Bahn sagen zu können, der Automat wäre kaputt, wenn ihn der Schaffner beim Schwarzfahren erwischt.

Das skurile ist wohl, dass man so ein Verhalten eher in der bösen großen Stadt erwartet, nicht in einem Provinznest wie Haag. In Wien laufen viel mehr Leute herum und unzähliche Kameras filmen einen auf Schritt und Tritt, wenn man sich in öffentlichen Verkehrsgebäuden aufhält. Da würde sogar mir die Lust auf Vandalenakte vergehen. Im stillen Haag kann man dagegen ungestraft seiner Zerstörungswut nachgehen.

Mit den Ohren lesen #

26. September 2007 22:18

Früher hielt ich Hörbücher als eine Erfindung für sehblinde Menschen, die Bücher nicht im herkömmlichen, also schriftlichen, Sinne konsumieren können. Dann sah ich mehr und mehr Sachbücher und Romane als Hörbücher erscheinen und ich stellte mir die Frage, wie das funktionieren kann, wenn ich doch selbst zum Lesen eines Buches viele Stunden brauche.

Die Antwort heißt “gekürzt”, (engl. “abbridged”) und dies ermöglicht die Essenz vieler Bücher auf ein übersichtliches Maß zu komprimieren. Doch für ernsthafte “Leser” gibt es auch ungekürzte Varianten, die sich über 8 Stunden und mehr erstrecken.

Tatsächlich fühlt man die Länge eines Romanes subjektiv wesentlich länger, weil man ständig pausiert. Als ich Harry Potter entdeckte las ich das erste Buch in 2 Tagen und die folgenden 3 Bücher in 3 weiteren Tagen. Das ging, weil ich viel Zeit zum lesen hatte, ich weiß nicht mehr ob wegen einer Grippe oder simpler Arbeitslosigkeit.

Bald hatte die CD die Nachfolge der ersten Audiobücher auf Kasette angetreten und ist nun die im Handel vorherrschende Erscheinungsform. Ich hatte selbst immer wieder einmal einen Roman oder ein Sachbuch gekauft, ich höre beim Autofahren lieber ein Buch oder Sprache, als Musik. Gescheite Leute empfehlen einem auf diese Art seine ungenützte mentale Kapazität zu beschäftigen, Robert Kiyosaki empfiehlt sein Auto mit Hörbüchern zu einer Universität auf Rädern werden zu lassen.

Als Sonderform der Hörbücher kamen dann die sogenannten Podcasts auf. Der Name verleitet zur Vermutung, es müsse sich um Broadcasts für exklusiv für Apple iPods handeln. Da ich kein solches Kultobjekt mein Eigen nenne, fühlte ich mich zunächst davon ausgeschlossen, bis ich dahinter kam, dass Podcasts kein Monopol der Firma Apple sind. Ein Podcast ist schlicht und ergreifend eine Radiosendung als digitale Tondatei, die man am Computer oder auf passenden Geräten unterwegs abspielen kann. Eine Möglichkeit ist natürlich auch, diese Podcasts statt mit einem mp3-Player auf CD zu brennen. Produzenten von Podcasts bieten dann einen rss-Feed an, das ist quasi ein Index der aktuellen Sendungen, in einem Format, wie der Computer es automatisch verarbeiten kann.

Ich höre im Alltag hauptsächlich die Podcasts von KenRadio.com und TWIT, KenRadio bietet einen wochentäglichen Überblick über die interessantesten digitalen Entwicklungen, Leo Laport mit seinen TWIT Sendungen vervollständigt das Radioprogramm mit Podcasts zentriert um Apple, Windows und Gadgets (= elektronische Spielsachen). Beim Laufen ist es mein kleiner mp3-Player im restlichen Alltag liefert mir mein neues Nokia n95 das Wunschprogramm ins Ohr.

Es gibt natürlich schon längst auch deutschsprachige Podcasts, Ö1 spielt hier groß mit und selbst die ÖBB hat sie als Service für die Kunden im Programm.

Leo Laport von TWiT brachte mich schlußendlich dazu mir ein neues Konto bei Audible anzulegen, dem weltweit bekanntesten Anbeiter von digitalen Hörbüchern.Wenn man da z.B. www.audible.com/twit aufruft und sich neu anmeldet, dann bekommt man sein erstes Audiobuch gratis. Leo hatte so sehr von “Getting it done” geschwärmt, einem Buch das alle anderen Zeitmanagementbücher in den Schatten stellen soll. Ich hörte heute im Zug die erste Hälfte des mit knapp unter 3 Stunden langen Buches und finde, dass das Versprechen bisher hält.

Auch hier gilt, dass es bereits längst eine deutschsprachige Filiale von Audible gibt, die zusätzlich zu einem umfassenden deutschen Katalog auch alle englischen Hörbücher anbietet. Das digitale Audiobuch kennt keine geographischen Grenzen. Lästig ist allerdings immer noch der Kopierschutz der aa-Dateien, der mich zunächst davon abhielt mein erstes Buch auf meinem mp3-Player oder meinem Nokia Handy n95 abzuspielen, ersterem fehlt das passende DRM, letzteres ist noch zu neu. Aber ein passendes Programm, das ich um etwa 30 Dollar kaufte, knackte mir den Schutz, so dass ich mein rechtmäßig erworbenes Buch auch auf meinen Geräten abspielen kann.

Herkömmliches Radio mutet da schon etwas verstaubt anachronistisch an. Es ist leichter als je zuvor sich vom Konsum des vorgekaute Einheitsprogramms loszusagen und sich sein eigenes Radioprogramm zusammenzustellen. “Leaders are Readers” wissen wir schon lange, mit Audiobüchern und Podcasts wird der Vorsprung schnell größer.

No Comment … bis auf weiteres #

25. September 2007 21:39

Als ich vor 4 Jahren die Möglichkeit zum Kommentieren in mein Blog einbaute, war ich fest überzeugt, dass meine Leser alle lieb, nett und konstruktiv seien. Damals glaubte ich noch daran, dass Menschen im Kern gut seien. Nichts und niemand konnte mir diesen Glauben erschüttern.

Mein gescheiter Herr Vater hat mir vor langer Zeit gepredigt: “Narrenhände beschmieren Tisch und Wände”. Klar, man sieht immer wieder in der Öffentlichkeit beschmierte Hauswände, Grafitti überall und die intelligentesten Äußerungen auf den diversen Toiletten an der Wand.

Aber wer glaubt schon, dass man selbst Opfer von Vandalismus werden könne? Mit einem kleinen unschuldigen Blog? Das ist doch viel zu unwichtig, als dass sich da wer erpichen könnte. Will man meinen.

Apropos Meinung, diese hat jeder noch so dumme Wicht in noch größeren Mengen, als Kenntnis der schönen Eigenheiten deutscher Grammatik und Semantik. Ich nehme mich da auch nicht aus. Ich meine viel, wenn der Tag lang ist. Aber das Recht dazu habe ich erworben, indem ich mein Blog nachweislich seit Juli 1998 entwickle. Ich habe mir damit ein kleines Podest an den Rande der Datenautobahn gestellt, auf dem ich es genieße so vor mich hin zu brabbeln.

Man ist halt Künstler. Die einen malen sich golden an und stehen auf ihrem kleinen Podest, bis jemand eine klingende Münze in eine Konservendose wirft. Ich für mich halte es lieber mit der kreativen Gestaltung und statt der Kärtnerstrasse heißt mein Auftrittsort seit Mai 1999 drobnik.com. Anfang 2003 kam drobnik.at dazu und Ende 2006 schnappte ich mir noch drobnik.net. Mein Name ist meine Marke, da wollte ich die wichtigsten Ausprägungen besitzen.

Verdienen tue ich am Bloggen leider nichts, aber immerhin wirft die Google Werbung genug ab, dass ich damit meine Serverkosten beim exzellenten deutschen Provider QualityHosting.de hereinbekomme. Leider nicht für die 150 einzelnen Besucher, die ich so durchschnittlich am Tag habe, einzig für die rund 2 Leute, die liebenswerterweise auf die Links von Google klicken.

Das mit dem Kommentaren hat lange Zeit ganz gut funktioniert, insbesondere weil niemand mein Blog gelesen hat. Als erstes wirklich genutzt haben die Kommentarfunktion die diversen Spambots, denen ich aber mit Hilfe des genialen kostenlosen Akismet Dienstes den Garaus machen konnte. Leider kann selbst Akismet gegen menschliche Spammer genau gar nichts ausrichten.

troll-web Der Fachausdruck ist “Troll”. So bezeichnet man Menschen mit einem hohen Mitteilungsbedürfnis, aber ohne wahre Substanz in ihren Postings. Wo ihnen in öffentlichen Foren die Gelegenheit geboten wird, geben sie ihre Meinung kund, die Gefühle oder Ehre anderer Menschen sind ihnen egal. Wenn sie damit ihren Mitmenschen den Spass verleiden, dann sind sie gar nicht mehr gerne gesehen, zumeist werden sie dann des Platzes verwiesen. Den Troll zu füttern (“feed the troll”) nennt man, wenn man auf die Postings von Trollen reagiert und sie damit zu neuen Tiraden anstachelt. Daher heißt es dann “don’t feed the troll”.

Ich habe tatsächlich mehrere Jahre überlegt, ob ich damit leben kann, dass mir boshafte Leser meine schönsten Artikel verunzieren. Zensur war für mich nie ein Thema, denn wie gesagt ich gestehe jedem seine freie Meinung zu. Ich versuchte es als charakterstärkende Übung zu sehen, größtenteils mit Erfolg, denn mir macht der Schwachsinn, den ich da geliefert bekam schon lange nichts mehr aus.

Ich tue eh schon mein möglichstes, die Privatsphäre meiner Partnerin zu schützen. Ich habe aus diesem Grund auch die Vorher/Nachher-Fotos aus dem Artikel über unsere neue Spüle entfernt. Doch die jüngsten Angriffe auf meine Lebensgefährtin zeigten mir, dass es so nicht länger gehen kann. Ich bin doppelt auf der Verliererseite: einerseits soll ich der Held sein, der die Ehre der Prinzessin verteidigt. Andererseits füttere ich damit fleissig die Trolle.

Mir bleibt an dieser Stelle nichts weiteres übrig, als vorerst die Kommentarfunktion wieder auszuschalten, bis ich technische Vorkehrungen treffen kann, Kommentare entweder zu moderieren oder nur mehr von registrierten Benutzern zu erlauben. Das bedeutet etwas Programmieraufwand und somit Zeit. Zeit, die ich momentan kaum habe, weil mich Haus, Wohnung, Job und Freundin gänzlich in Anspruch nehmen.

Ich denke, dass mein Blog dadurch keinen Nachteil hat, denn die Kommentare haben noch nie etwas zu seinem Erfolg beigetragen. Möglicherweise gelingt mir hier ein evolutionärer Entwicklungsschritt, denn wenn ich keine Verunglimpfung mehr fürchten muss, traue ich mich vermutlich mit noch schärferer Tastatur zu schreiben. Gleichzeitig brauchen meine treuesten Leser auch keinen Vandalismus mehr zu fürchten. Um die Trolle brauchen wir uns sicher auch keine Sorgen zu machen, die finden problemlos eine andere Spielwiese.

Persönliche Fragen nehme ich gerne unter meiner Adresse oliver@drobnik.com an, die zwei voneinander unabhängige Spam-Filtern sauber gehalten wird.

Spühle in Ehren kann niemand verwehren #

25. September 2007 07:13

Aus Alt mach Neu hieß es bei uns im Haus auch am letzten Wochenende. Nachdem wir bravurös die alte Armatur gegen eine brandneue ausgetauscht hatten, waren wir dermaßen renovationsmotiviert, dass wir uns fit fühlten, der Britta endlich die Spühle ihrer Träume zu installieren. (Wobei das nicht heißen soll, dass sich Brittas Träume nur um Küchenzubehör drehen!)

Die bishere Spühle war schnell ausgebaut, dann ging die Grübelei los, an welcher Position das Viereck aus Edelstahl seinen Platz finden könnte. Wir maßen, überlegten, zogen externe Experten zu Rat und Stunden später hatten wir den idealen Ort gefunden. Wo wir Stichsäge verwenden konnten war schnell gesägt, mehr Feingefühl brauchten wir bei den Stellen, an denen wir nicht ganz durch die Platte sägen konnten.

Ich hatte bei Britta ein geniales Werkzeug, genannt Multi-Tool, kennengelernt, mit dem man auch von oben in eine Fläche hineinsägen kann. Damit sägten wir 3 Zentimeter tief in die 4 Zentimeter dicke Platte und stemmten vorsichtig so viel weg, dass sich der Metallrand der Spühle versenken ließ. Britta rief ungläubig aus “war es das schon?” nachdem wir die Spühle mit etwas freundlicher Überredungskunst an ihren Platz bugsiert hatten.

Stunden später war dann alles montiert und es war bei weitem nicht so flott, wie sich das hier jetzt liest. Es galt, schwere Opfer zu bringen: Sonntagsarbeit, die geplante Motorradausfahrt mußte abgesagt werden und zu Mittag gab es nur für 15 Minuten aufgewärmte (selbstgemachte) Pizza vom Vortag.

Noch einmal traf uns der Schlag, als wir den Abfluß anschließen wollten. Das Röhren-Puzzle war nicht komplett und der Siphon fehlte, obwohl die Sekretärin im Geschäft beteuert hatte, dass alles dabei wäre. Aber ich bastelte der Britta einen behelfsmäßigen Ablauf für das große Becken, damit wir unser Werk einweihen konnten.

Einen Tag später löste der Herr Papa das Röhren-Puzzle und installierte die Abflüsse perfekt. Die neue Spühle wird noch viele Jahre an die gemeinsame Arbeit erinnern, denn trotz aller handwerklicher Perfektion zeugen zwei Dellen von meinem Schaffen.

Verkehrte Klassenfahrt, ein fairer Handel? #

21. September 2007 19:13

Nach meinem ITIL Test sitze ich nun wieder im Eurocity aufs Land. Ich hatte den Tipp bekommen, dass mich ein Ticket ab der Stadtgrenze weniger kosten würde als ab Westbahnhof. Ich war in der Hetze nicht zum Automaten gekommen und so nützte ich die Gelegenheit dies zu erforschen.

Der Schaffner meinte zunächst, dass das sicher keinen Unterschied mache, weil die Staffelungen in 20km-Schritten wären. Doch die Ticketmaschine, die er um den Hals trug brachte die Wahrheit ans Licht. Für ein Ticket ab “Purkersdorf/Sanatorium” zahlte ich fast 2 Euro weniger. Der Schaffner tat überrascht, so ein Schlawiener! Ich dachte laut, “ich fahr zwei Mal die Woche hin und her, dann sind das im Jahr hundert Euro!” Dieser makellosen mathematischen Logik konnte der Zugchef auch nur zustimmen.

In diesem Eurocity-Zug mit dem klingenden Namen “IC 742 EZA Fairer Handel” steht die Zweiklassen-Gesellschaft auf dem Kopf. Die Abteils der ersten Klasse sind die grauslichsten und ältesten, die die ÖBB in ihrem Fundus finden konnte. Nichteinmal Steckdosen für den Laptop konnte ich dort finden, während alls anderen Abteils in den Zweiteklasse-Wagons Strom zu bieten haben. “Kein fairer Handel”, dachte ich mir, “eher Sozialismus: alles für die Arbeiterklasse.”

Die Zeitung, die mir als Passagier erster Klasse zustand lehnte ich dankend ab, dafür hatte ich keine Zeit, denn diese verging auf der Fahrt heute noch mehr im Fluge als gewohnt. Sehnsucht nach Britta vermutlich. Noch ein Vorteil der ersten Klasse war, dass der Schaffner konsequent alle dreisten Normalpassagiere verscheuchte und ich somit überhaupt kein Platzproblem hatte. Ich brauche ja für meinen Bobsch und mein Zubehör rund 3 Sitzplätze.

Wenn die zweite Klasse voll ist, dann erlaubt die ÖBB ohne Aufzahlung die Benutzung der freien Sitze in der ersten Klasse. In den Genuß dieser Regelung kam ein junges Paar, dass sich zu mir ins Abteil gesellte.

Aber vielleicht bin ich jetzt auch überkritisch und erwarte nach der ITIL-Methode den effizienten Einsatz von Resourcen zur Erreichung des mit dem Kunden vereinbarten Service Levels. Bei der ÖBB gibt’s aber nur ein Agreement: “hast Du Ticket, kriegst Du keine Watschen.”

Was bringt ITIL? #

21. September 2007 19:06

Nachdem ich beim ersten ITIL Probetest 82% und beim zweiten 75% schaffte, denke ich mir, dass der tatsächliche Test wohl auch geklappt haben sollte, nachdem man ab 65% (26 aus 40 Fragen) durchkommt. Leider erfahre ich mein Ergebnis erst in etwa 6 Wochen, bis dahin werde ich vor Aufregung kaum schlafen können. Generell war die Stimmung eine Mischung aus Galgenhumor, Unverständnis und Zuversicht. Ob geschafft oder nicht geschafft scheint aber keine Rolle zu spielen.

Es stellt sich dem gemeinen EDV Ingenieur die Frage, was uns ITIL eigentlich bringen soll. Im Mindesten habe ich einige coole Vokabel gelernt, die ich nun gezielt Leuten unserer großen Firma um die Ohren fetzen kann, wenn ich bei ihnen den Glauben wecken will, daß ich mehr wüßte als sie. Ich überlege auch schon, in Outlook alle ITIL Begriffe absofort fett und rosa einfärben zu lassen. Wer dann als erstes seine Karte mit 5 frei gewählten Begriffen voll hat, der schreit laut “Bingo!”

Für ITIL hat sich offenbar mal jemand hingesetzt und überlegt, wie man die Vorgänge in EDV Dienstleistungsfirmen halbwechs strukturieren kann und allen einzelnen Dingen fetzige Namen gegeben. Wer die meisten Namen auswendig aufsagen kann, der gewinnt. Und die ITIL Schuldungsfirmen gewinnen sowieso, denn offenbar legen immer mehr österreichische Firma darauf Wert, dass Bewerber Erfahrung mit ITIL haben: z.B. BWIN, Austrian und T-Mobile.

So bringt einem die ITIL Ausbildung im wenigsten, dass man ein nettes Zertifikat bei zukünftigen Bewerbungen beilegen kann.

In der Konsumkredit-Schuldenfalle #

21. September 2007 08:18

In seinem dünnen Buch “Tatort Banken” beschreibt der Schuldnerberater Alexander A. Maly, warum Österreich von allen Ländern der EU jenes Land ist, in dem es den Banken am besten geht.

Dann nur in Österreich gibt es die Gehaltsexekution in der Form, dass die Banken ein Riesengeschäft damit machen können, dass sie Kredite an Personen vergeben, die für diese eigentlich nicht leistbar sind. Solange es nur ein Gehalt gibt, auf das die Bank im Endeffekt einen Zugriff erhält, spielt die sonstige wirtschaftliche Situation kaum eine Rolle.

Die Lohnpfändung existert in Österreich erst seit 1986 und wir verdanken sie den mehr oder weniger direkten Verstrickungen unserer politischen Parteien mit dem Bankenwesen.

Das zweite Unikum ist, dass nach Fälligstellung eines Kredites bei uns die Zinsen und Kosten weiterlaufen. Dadurch ist es auch für die diversen Inkasso-Büros ein Bombengeschäft hier mitzumischen. Aber dank der bankfreundlichen Gesetze ist der Arbeitgeber das beste Inkassobüro, denn er muß – ohne Bezahlung – für die Gläubiger die Beträge berechnen und überweisen.

Die Konsumkredite und die Anzahl der für sie bürgenden Personen explodiert und Gesetzesänderungen sind keine in Sicht, weil Menschen mit Schulden sich zumeist für diese schämen und daher nicht ihre Politiker um Verbesserungen bitten.

Datenverlustigung #

20. September 2007 08:09

Nachdem ich mir ein RAID 5 Array installiert hatte, dachte ich, alle meine Datensicherungssorgen wären nun vergangen. Wenn ich diese Form der Datensicherheit in meiner Hauptfestplatte eingebaut hätte, so mein Gedanke, dann könne meinen Daten ja überhaupt nichts mehr passieren.

Doch gestern morgen verabschiedete sich eine von vier Festplatten im Array mit einem schweren Fehler. Das war mir vorher schon ein paar mal passiert. Jedesmal fügte ich die “herausgeflogene” Platte wieder ins Array ein und startete eine Synchronisierung.

Die Verwaltungskonsole von nVidia wollte noch nach einer Ersatzplatte suchen, aber ich startete den PC neu und fand im textbasierten Konfigurationstool auf einmal 3 definierte RAID arrays for. Mein Fehler war dann vermutlich, dass ich anfing die zwei zusätzlichen Arrays zu löschen in der Hoffnung die darin enthaltenen Festplatten wieder in das Hauptarray integrieren zu können. Das Ergebnis war aber leider, dass das Array im Fehlerstatus blieb und ich davon nicht mehr booten konnte.

Das schöne Vista kaputt, alle Daten, Fotos und eMails ohne Backup verloren. Glücklicherweise habe ich noch eine Sicherung auf einer eigenen Festplatte mit Stand vom März, aber klarerweise ist solch ein Datenverlust für das Ego des Ingenieurs sehr schmerzlich. Weil DEM sollte so etwas nicht passieren.

Meine Lösung war nun, die defekte Festplatte beim Ditech auszutauschen, was mit der Rechnung in der Hand eine Sache von 5 Minuten war. Bei der Gelegenheit kaufte ich gleich zwei weitere Festplatten aus der gleichen Serie. Eine Festplatte fügte ich hinzu, so daß jetzt 5 Festplatte im RAID5-Verbund mir eine große Platte von 1.8 Terabyte ausmachen. Eine Extra-Platte habe ich nicht hinzugefügt, denn diese kann der NVIDIA RAID Controller als Ersatzplatte (“spare”) verwenden.

Jetzt macht sich auch bezahlt, dass ich ein Chieftec PC-Gehäuse gekauft habe, bei dem man von der Seite zu den Festplatten kommt und ein Mainboard, dass 6 SATA Anschlüsse aufweist.

Aber mein fester Vorsatz ist jetzt, die persönlichen Daten in Zukunft auch auf externen USB Laufwerken zu sichern. Trotz aller Fehlerresistenz von RAID-Arrays habe ich schmerzlich gelernt dass auch diese keine 100%ige Sicherheit bieten können.

Das ITIL-Tüpfelchen #

20. September 2007 00:07

Pink Elephant StressballIch besuche für den Rest der Woche einem Training zum Thema ITIL. ITIL steht für Information Technology Infrastructure Library, stammt aus Großbritannien und soll es Firmen ermöglichen ihre EDV Dienste besser zu managen.

Die Trainerin kommt von der britischen Firma Pink Elephant, die sich auf ITIL-Trainings spezialisiert hat. Nettes Geschenk zur Verbesserung der Laune war ein kleiner rosa Elefant, den man wie einen Streßball drücken kann.

Trotz aller netten und interessanten Vortragsweise sorgt nämlich die Aussicht, dass wir am Freitag nachmittag einen schriftlichen Test machen müssen für Stress. Da kommt der Stress-Elefant wohl gerade richtig. Der Test wird eingeschickt und man bekommt 6 Wochen später ein Diplom, wen man ausreichend Punkte erhalten hat.

Scheinbar legen viele große IT Firmen mittlerweile Wert darauf, dass ihre Partner Mitarbeiter mit ITIL-Ausbildung beschäftigen. Was dieses System wahrscheinlich schon bringt, ist dass man ein Rahmenwerk an die Hand bekommt, dass einem hilft die Services, die man als EDV-Firma anbietet besser zur Verfügung stellen zu können.

Das klingt recht interessant, schaun wir mal, was ich davon im täglichen Betrieb anwenden kann.