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30. Juni 2007 - 23:15
Britta liebt es, wenn ich ihr am Klavier etwas vorspiele. Ich spiele dann ein paar populäre Songs, singe vielleicht dazu und Britta strahlt über beide Ohren wie ein Hutschepferd. Ich erwähnte mal beiläufig, dass ich gerne einen Flügel hätte, immer schon haben wollte. Da erwiederte Britta "ich finde es ein Verbrechen, wenn man ein so tolles Instrument im Haus hat, aber nicht spielen kann. Wenn Du einen Flügel kaufst, dann lerne ich klavierspielen". Seither hatte ich das Bild im Kopf, dass ich einen Flügel brauche, Brittas Haus hat neben dem Wintergarten den perfekten Platz dafür.
Dabei ist es nicht etwa so, dass Britta mich jetzt motiviert oder animiert hätte. Ich habe immer wieder mal ein gutes Klavier in die Finger bekommen und jedes Mal hatte ich ein Wow, besonders sind der Klang, das Flair. Das alte Blüthner-Piano, dass mir meine Eltern organisiert hatten ist zwar praktisch und hat einen Ehrenplatz in meiner Wiener Wohnung. Aber ein Piano ist immer ein Kompromiss, von einem Flügel trennt es Welten. Mir war also klar, dass ich früher oder später einen Flügel mein Eigen nennen wollte. Ich wollte mir das Wow nach Hause holen.
Ich sah vor meinem geistigen Auge immer wieder einen schwarzen Flüge in der Ecke von Brittas Wohnzimmer stehen. So schauten wir zum Klavierhändler Weinberger in Enns, der uns von einem Musiker wärmstens empfohlen worden war. Neue Flügel bewegen preislich zwischen Zehn- und Hundertausend Euro, ich kostete mich durch, beklimmerte alles was Tasten hatte und verliebte mich schließlich in ein besonderes Modell. Yamaha, schwarz, Typ GC1.

"Er ist der beste in der Kategorie unter Ein Meter
Siebzig!" schwärmte der Händler.
"Dann paßt er super zu mir! Ich bin auch das Beste
unter Eins-Siebzig!" lachten wir.
Der Händler erzählte mir noch einige liebevolle Details an dem tollen Stück, sprach von Oberton-Anreicherung durch spezielle Technik und davon, dass er sich fragt, wie Yamaha es eigentlich schaffen würde, so günstig zu produzieren.
Nicht nur gefiel mir der schlanke klare Klang bei diesem Flügel am meisten von allen, andere neue Flüge haben oft einen relativ dumpfen Ton, weil sich der Filz auf den Hämmern erst abwetzen muss. Gleichzeitig war er auch der Kompakteste, Britta Wort dafür war "knuffig". So fackelte ich nicht lange, weil es mir gefällt schnell zu entscheiden, wenn die Wahl so eindeutig ist. Dann ist da noch Urlaubsgeld, eine kommende Steuerrückzahlung und zinsenlose Teilzahlung. "Wann, wenn nicht jetzt" dachte ich mir. "Mochen wir des!" war der Wohlklang, den der Händler von mir zu hören bekam.
"Wann können sie ihn bringen?" fragte ich.
"Wann SOLLEN wir ihn bringen?" erwiderte der Händler
"Montag nachmittag recht?"
Ich unterschrieb den Kaufvertrag für meinen fabriksneuen Yamaha Flügel GC1 (siehe Foto) und dann suchten wir noch eine Klavierbank aus, bei der uns der Händler das Kissen gegen eines mit rotem Bezug tauschte. Ein Spleen.
"Die kostet aber 250 EUR!" warf der Händler ein
als ich auf der gepimpten Bank vor meinem Instrument Platz
nahm.
Mit einer beiläufigen Handbewegung und einem Grinsen im
Gesicht kam meine Antwort "Geld spielt keine Rolle!" und
wandte mich wieder einigen Takten Musik auf meinem Flügel zu,
denn mit so einem geilen Instrument fühle ich mich reich genug
für alle Eventualitäten.