Ich verspiele mein Geld … sinnvoll! #

30. June 2007 23:15

Britta liebt es, wenn ich ihr am Klavier etwas vorspiele. Ich spiele dann ein paar populäre Songs, singe vielleicht dazu und Britta strahlt über beide Ohren wie ein Hutschepferd. Ich erwähnte mal beiläufig, dass ich gerne einen Flügel hätte, immer schon haben wollte. Da erwiederte Britta “ich finde es ein Verbrechen, wenn man ein so tolles Instrument im Haus hat, aber nicht spielen kann. Wenn Du einen Flügel kaufst, dann lerne ich klavierspielen”. Seither hatte ich das Bild im Kopf, dass ich einen Flügel brauche, Brittas Haus hat neben dem Wintergarten den perfekten Platz dafür.

Dabei ist es nicht etwa so, dass Britta mich jetzt motiviert oder animiert hätte. Ich habe immer wieder mal ein gutes Klavier in die Finger bekommen und jedes Mal hatte ich ein Wow, besonders sind der Klang, das Flair. Das alte Blüthner-Piano, dass mir meine Eltern organisiert hatten ist zwar praktisch und hat einen Ehrenplatz in meiner Wiener Wohnung. Aber ein Piano ist immer ein Kompromiss, von einem Flügel trennt es Welten. Mir war also klar, dass ich früher oder später einen Flügel mein Eigen nennen wollte. Ich wollte mir das Wow nach Hause holen.

Ich sah vor meinem geistigen Auge immer wieder einen schwarzen Flüge in der Ecke von Brittas Wohnzimmer stehen. So schauten wir zum Klavierhändler Weinberger in Enns, der uns von einem Musiker wärmstens empfohlen worden war. Neue Flügel bewegen preislich zwischen Zehn- und Hundertausend Euro, ich kostete mich durch, beklimmerte alles was Tasten hatte und verliebte mich schließlich in ein besonderes Modell. Yamaha, schwarz, Typ GC1.

Mein Yamaha Flügel

“Er ist der beste in der Kategorie unter Ein Meter Siebzig!” schwärmte der Händler.
“Dann paßt er super zu mir! Ich bin auch das Beste unter Eins-Siebzig!” lachten wir.

Der Händler erzählte mir noch einige liebevolle Details an dem tollen Stück, sprach von Oberton-Anreicherung durch spezielle Technik und davon, dass er sich fragt, wie Yamaha es eigentlich schaffen würde, so günstig zu produzieren.

Nicht nur gefiel mir der schlanke klare Klang bei diesem Flügel am meisten von allen, andere neue Flüge haben oft einen relativ dumpfen Ton, weil sich der Filz auf den Hämmern erst abwetzen muss. Gleichzeitig war er auch der Kompakteste, Britta Wort dafür war “knuffig”. So fackelte ich nicht lange, weil es mir gefällt schnell zu entscheiden, wenn die Wahl so eindeutig ist. Dann ist da noch Urlaubsgeld, eine kommende Steuerrückzahlung und zinsenlose Teilzahlung. “Wann, wenn nicht jetzt” dachte ich mir. “Mochen wir des!” war der Wohlklang, den der Händler von mir zu hören bekam.

“Wann können sie ihn bringen?” fragte ich.
“Wann SOLLEN wir ihn bringen?” erwiderte der Händler “Montag nachmittag recht?”

Ich unterschrieb den Kaufvertrag für meinen fabriksneuen Yamaha Flügel GC1 (siehe Foto) und dann suchten wir noch eine Klavierbank aus, bei der uns der Händler das Kissen gegen eines mit rotem Bezug tauschte. Ein Spleen.

“Die kostet aber 250 EUR!” warf der Händler ein als ich auf der gepimpten Bank vor meinem Instrument Platz nahm.
Mit einer beiläufigen Handbewegung und einem Grinsen im Gesicht kam meine Antwort “Geld spielt keine Rolle!” und wandte mich wieder einigen Takten Musik auf meinem Flügel zu, denn mit so einem geilen Instrument fühle ich mich reich genug für alle Eventualitäten.

Voll abhängig #

30. June 2007 08:43

Anfangs des Monats haben wir mir vereinten Kräften Brittas Herzenswunsch nach einer feschen Gartenlaube erfüllt. Britta hat sich in meiner Abwesenheit noch etwas reingehängt und die Laube gestrichen, bepflanzt und beschattet.

Frisch aus dem Zug ausgestiegen habe ich die neue Entspannungsmöglickeit sogleich ausprobiert. Die stabile verstrebte Konstruktion hielt auch 2 Personen problemlos aus, so lag auch einem kurzen Nickerchen in der Hängematte nichts im Wege. Wir ließen uns quasi hängen.

Voll abhängen

Am Abend gingen wir sehr gut beim Wirtshaus Ellinger Essen. Die Käsespätzle, die ich für mich ohne Fleisch fand waren grenzgenial gut, irgenwie war der Käse besonders käsig, war würzig und machte tolle Fäden. super

Im Pub nebenan schloss ich mich dann ein paar ländlichen Pokerspielern an und wir machten zu Viert eine Heimrunde Texas Hold-Em, bei der ich am Ende etwas überrascht als Sieger hervorging.

Es gibt Zeugnis! #

29. June 2007 18:17

Meine Partnerin ist von Beruf Sonderschullehrerin und hat als solche täglich mit schwierigen Fällen zu tun. Sie hat also perfekte Grundausbildung es mit mir längerfristig auszuhalten. Ich kann schon manchmal ziemlich behindert sein, doch das läßt sie kalt

Heute gibt es in den östlichen Schulen Österreichs Zeugnisverteilung. Als die Britta ihre Zeugnisse fabrizierte, stellte sie mir auf Anfrage hin auch eines für meine spezielle Disziplin aus. Das Ergebnis kann sich sehen lassen …

Spezialzeugnis für Liebhaber

Ich konnte mit meinen Leistungen im Fach “Partnerschaftsbewältigung mit Traumfrauen”überzeugen, speziell der Umgang mit “irrationalen Frauenlaunen” ging mir leicht von der Hand. Ich habe dafür zwar nicht so hart gearbeitet wie mein Cousin Markus, aber ich bin dennoch auf meine Leistungen stolz. Die bemängelte Fitness rückt damit wieder mehr in mein Blickfeld, mehr Sport ist angesagt.

Als nächste Bewährungsprobe steht ein 14-tägiges Urlaubspraktikum in Griechenland auf dem Lehrplan, im Herbst geht es dann in die “nächsthöhere Lehrplanstufe”. Einen Abschluß anundfürsich strebe ich aber nicht an, bei Britta will ich ewiger Student bleiben.

Das Markus Drobnik Erfolgsrezept #

28. June 2007 08:07

Diese Woche endet die Schule für den östlichen Teil Österreichs. Mein Cousin Markus Drobnik, seines Zeichens Hautschullehrer, hat neben seinen anderen zahlreichen Aktivitäten seine sonderpädagogische Diplomprüfung mit Bravur bestanden. Ich interviewe gerne erfolgreiche Leute, um zu sehen was für Erfolgsrezepte man sich da abzuschauen vermag.

Olivers: “Gratuliere zur bestanden Prüfung, Du Einserkandidat!” thumbs up

Markus: “Du darfst mir wahrlich gratulieren. Letzten Mittwoch (16.5.) hatte ich meine mündliche halbstündige Diplomprüfung. Beide Studienfachbereiche wurden mit “Sehr gut” benotet. Damit habe ich allen sog. “Diplomprüfungsteile” (Klausur 1, Klausur 2, Diplomarbeit, Defensio und Diplomprüfung) auf “Sehr gut”.

Oliver: “Die Note Eins hattest Du ja bislang nicht abonniert, gell?”

Markus: “Das beweist mir vor allem, dass ich doch gar nicht so dumm bin. Wie du ja vielleicht weißt, war meine AHS-Zeit notenmäßig wenig berauschend: Sie war gekennzeichnet von vielen 3ern, und 4ern, die 5er sind unzählbar, ebenso die “Entscheidungsprüfungen”. 1er und 2er hatten absoluten Seltenheitswert – sehr zum Leidwesen meiner Mutter. Und eine EHRENRUNDE war natürlich auch dabei.”

Oliver: “Markus, was war Deine Motivation dich dieser Prüfung zu unterziehen?”

Markus: “Mit dieser Prüfung stehen mir jetzt im sonderpädagogischen Bereich viele -wenig bekannte – Türen offen. Längerfristig spitze ich auf die ambulanten Einsatzmöglichkeiten als Stütz-, Förder- oder Sprachheillehrer, wo ich entweder einzeln, in Klein- oder Kleinstgruppen mit Kindern arbeiten kann.
Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, mit 60 Jahren noch in der Klasse zu stehen.”

Oliver: “Was war in Deinem Fall der Unterschied vom Lernen und der Motivation her zur AHS-Zeit? Warum die plötzliche Brillianz?” Geistesblitz

Markus: “Der Grund für die guten Noten liegt sicher darin, dass ich mir die Studiendauer bis zu einem gewissen Grad aussuchen konnte (2 Jahre oder 3) – ich nahm mir drei Jahre, das letzte davon für die ganzen “Diplomprüfungsteile”. Weiters konnte ich mir etliche Schwerpunkte und Themen selbst aussuchen und mich darin vertiefen. Allein das Diplomarbeitsthema interessierte mich in höchstem Maße, da ich viel von meiner Unterrichtsarbeit hier einfließen lassen konnte. Wenn ich an die AHS-Zeit zurückdenke, so interessierten mich viele Sachen überhaupt nicht, und es waren ständig irgendwelche Prüfungssituationen in Form von Wiederholungen, Tests etc. da. Es war wie eine “Mühle”, aus der es kein Entkommen gab.”

Das Markus Drobnik Erfolgsrezept für Diplomprüfungen

  1. Genügend Zeit (3 Jahre)
  2. Kein Prüfungsdruck (Wiederholungen, Tests)
  3. Gestaltung nach eigenen Vorlieben, dadurch höhere Identifikation mit dem Gelernten
  4. Praxisbezug beim Endergebnis, der Diplomarbeit
  5. Die Ausbildung als nötigen Schritt zu einem weiterführenden Ziel sehen

Oliver: “Habe ich etwas vergessen, willst Du noch etwas philosophisches hinzufügen?”

Markus: “Ich weiß derzeit eigentlich nichts, was noch hinzuzufügen wäre, außer vielleicht die persönliche Reife , die man mit 43 Jährchen hat.” zwinker

Oliver: “Was hast Du als nächstes vor?”

Markus: “Kommendes Jahr startet der Hochschullehrgang “Förderpädagogik” an der neuen Päd. Hochschule (PÄDAK ist vorbei), der angeblich mit dem Bakkalaureat-Abschluss verbunden ist. Diesen überlege ich ernstlich zu absolvieren, um dann noch besser qualifiziert zu sein – hinsichtlich meiner längerfristigen Ziele.”

Oliver: “Uff, der Mann hat noch viel vor! Na dann weiterhin viel Erfolg und paßt auf Deine Gesundheit auf! Red Bull überleben auch ganz gut, ohne dass Du sie weiterhin so viel gesponsert!”

Film: Shrek The Third #

27. June 2007 01:42

Ich gestehe, ich bin Shrek Fan und mußte mir deswegen heute Shrek The Third ansehen, statt wie sonst üblich in die Überraschungspremiere zu gehen.

Mit dem dritten Besuch im Lande “Far Far Away” aus dem Hause Dreamworks begegnen wir wieder Fiona und Shrek, damit konfrontiert sind, dass der alte Froschkönig nicht mehr will und eigentlich nur Schwiegersohn Shrek als königlicher Nachfolger in Frage kommt, ausser vielleicht Artus, der derzeit eine weit entfernte High School besucht.

Wieder werden alle möglichen Aspekte von Märchen durch den Kakao gezogen, hier blieb alles beim bekannten Erfolgsrezept. Fortschritte in der Computeranimation sind besonders bei den Haaren, den Gesichtsbewegungen und Lichteffekten sichtbar, was die Animateure dadurch ausschlachten, dass die Kamera immer öfter wirklich sehr nahe an den digitalen Akteuren dran ist.

Die im Kino anwesenden Kinder zerkugelten sich des öfteren ziemlich, ganz offensichtlich fanden Jung und Alt die angebotene Handlung gleichermaßen amüsant, wenn auch sehr geradlinig. Etwas mehr Spannung hätte ich mir gewunschen, davon war in den ersten beiden Teilen schon mehr vorhanden. Dem Ende fehlte mir etwas die Dramatik. Aber dafür gibt es etwas gut verkaufte Philosophie, wie ich sie in “Kinderfilmen” besonders schätze.

Die Durchführung von Shrek 3 von gelungen und von Grund auf soldie. Die prominenten Stimmenspender sorgen dafür, dass die Charaktere lebendig werden. Und im Genre der Märchenverarschungen steht Shrek schon lange alleine auf weiter Flur. Shrek 3 hat mir wieder sehr gefallen, ich empfehle es Jung und Alt.

Glück, Reichtum und geniale Geschäftsideen #

26. June 2007 00:48

Heute durfte ich mich mal wieder wichtig fühlen. Dass ich die Computerprobleme vieler Kollegen lösen konnte ist schon fast Routine, aber das Highlight war, dass ich mit dem Motorrad in unser Datacenter fuhr und dort einen Windows Server 2003 von Grund auf installiert habe.

Das darf man sich nicht wie einen PC im Büro vorstellen, denn der Server ist platt wie eine Flunder, eine sogenannte “Höheneinheit” hoch und steckt in einem Montagerahmen, genannt “Rack”. Dieser Schrank steht in einem lautem klimatisiertem Raum durch mehrere Sicherheitssysteme von der Außenwelt abgeschirmt.

Ich bin dort also hinein gegangen und dann mußte ich erst einmal einen Monitor, Tastatur und Maus anstecken, weil für gewöhnlich werden Server über eine Web-Console bedient, von der aber keiner mehr die IP-Adresse wußte und was auch der Grund war, warum ich physisch zu dem Server dazu mußte.

Das gute Gefühl kam am Ende, als ich beinahe ohne externe Hilfe die Installation soweit bracht, dass man über das Firmennetz zum Server dazukam und die Kollegen in USA übernehmen konnte. Meine Freundin jault auf, weil mein Glück scheinbar schon wieder einmal von “Kasteln” abhängt. Aber EDV ist mein Job , deshalb ist es mit Sicherheit legitim, wenn ich mich über funktionierende Kasteln freue. Denn dies bedeutet, dass mein Job mehr als nur eine Geldquelle ist. Glücklich, wer das behaupten kann.

Ein zweites Mal wurde mein Ego geschmeichelt, als ich mich mit einer Bekanntschaft aus dem Internet beim Starbucks traf. Er hatte vorgegeben, mit mir über Reichtum philosophieren zu wollen. Ich höre mich gerne selbst reden und der junge Typ gab mir dazu viel Gelegenheit, bis er schließlich mit seinem wahren Begehr herausrückte. Er arbeitet selbständig im Netzwerk-Vertrieb für die Firma Intway und reihte sich damit in die lange Reiher derjeniger Personen ein, die mir immer wieder mal “eine geniale Geschäftsidee” vorstellen wollen.

Ich hätte ihm einfach sagen können, “danke, ich bin schon reich”, aber ich hatte mehr Spaß daran ihm zu erklären, auf welche Schwierigkeiten er sich gefaßt machen müsse, wenn er das Geschäftssystem von Intway in Österreich einführen wolle. Mit gewissem Wehmut dachte ich an meine Zeit mit Herbalife zurück, so vor etwa 10 Jahren. Da war ich noch begeistert und voller Tatkraft. Damals verkündete ich meinem Vater, dass ich ausziehen würde, weil ich mir dank des unmittelbar bevorstehenden Multi-Level-Reichtums sicherlich bald meine eigene Wohnung kaufen könne. Ich kenne schon 2 Leute, die mit Network-Marketing reich geworden sind, aber ich kenne Dutzende Leute, die das nicht wurden.

Nach Pulver in Dosen aus Amerika wurde ich mit Putzmitteln, Finanzdienstleistungen, Aloe Vera, Kosmetik und Schmuck aus dem Netzwerkvertrieb konfrontiert. Aber an die gewisse wilde Romantik, die mich mit Herbalife verband, kam keine der tollen neuen Systeme heran. Das waren noch Zeiten, als wir mit dem Bus zu Firmenveranstaltungen in ganz Europa gepilgert sind. Mit Netzwerkvertrieben ist es wohl wie mit der ersten großen Liebe oder dem ersten eigenen Auto. Da kommt nichts nahe. (Britta hat Glück, dass sie meine erste und einzige große Liebe ist grins)

Gemeinsam schmunzelten wir dann über die “geniale neue Geschäftsidee” der Tabs, die im Benzintank den Treibstoffverbrauch um 10% senken sollen. Natürlich auch im Strukturvertrieb zu haben. Kurze Nachrechnung eröffnete eine Ersparnis von 5 EUR pro Tankfüllung, für die man jeweils eine Tablette um 2 EUR kaufen müsse. Ich tanke mit meinem Auto vielleicht 2 mal im Monat, das sind also 72 EUR Ersparnis im Jahr. Wahnsinn, wir werden alle reich!!!

Was ich noch nicht geschafft habe, ist den Netzwerk-Marketing-Süchtigen zu verklickern, dass sie zwar glauben ihr eigenes Business zu haben, in Wirklichkeit aber erst wieder für jemanden anderen hackeln, der an ihnen viel mehr verdient, als sie selbst. Wahres Wachstum und Wohlstand erlangt aber nur der, der an sich und seinem eigenem System für finanzielle Unabhängigkeit arbeitet.

Ich habe leicht reden, ich gehöre zu den 60% in Österreich, die ihr Vermögen stinklangweilig geerbt haben. Aber wer mich fragt, dem gebe ich gerne Auskunft, wie man meiner Meinung nach in Österreich finanziell unabhängig werden kann. Gratis und ohne geschäftliches Interesse. Ich bin halt so nett.

Summer/Sand in the City #

24. June 2007 15:23

Donauinselfest 2007

Summer-Feeling gab es dieses Wochenende beim Donauinsel-Fest. Nach einem verregneten Freitag konnten sich Besucher wie Veranstalter über angenehme Temperaturen freuen. Dieses Fest der SPÖ zieht mit einer einfachen Gewinnformel ihre Besucher an: viel Musik und noch viel mehr Alkohol, da kann selbst die ÖVP mit ihrem kulturellen Wiener Stadtfest keine ernsthafte Konkurrenz bieten. 

Für meine Prinzessin vom Lande war der diesjährige Besuch gleichzeitig Premiere, groß wurden die Augen als das Ausmaß der Veranstaltung klar wurde, ein gewisses latentes Beklemmungsgefühl begleitete uns auf dem langen Weg vom der U1-Station Donauinsel bis zur Ö3 Bühne nahe der Floridsdorfer Brücke. Zweifelsohne konnte dieses Jahr wieder ein neuer Besucherrekord (etwa 120.000 Besucher) verzeichnet werden.

Ein zweiter Rekord war für mich die Menge an auftretenden Bands, gekoppelt mit einer totalen Abwesenheit von interessanten Acts. Letztes Jahr hatte war Nena wenigstens noch ein Hit, dieses Jahr half auf mehrfache Betrachtung des Line-Ups nicht, um ausser Fendrich oder Willi Resetarits irgendeinen nennenswerten Künstler zu erspähen.

Die Beklemmung fand ihren Höhepunkt am nördlichen Rand des Inselfestes, wo idyllisch umgeben von vollgepinkelten Gebüschen die FM4-Showbühne situiert war. Während des Jahres gibt es immer mehr Leute, die die “indepent music” von FM4 dem Ö3-Mainstream vorziehen. Mir kam vor, als wäre der Raum um die FM4-Bühne noch viel enger als letztes Jahr geworden. Mir wurde ganz spießig zumute und wir flüchteten durch Heerschaaren von Koma-Kindern wieder Richtung Süden. Auf unserem Weg mußten wir des öfteren Krankenwagen mit Blaulicht ausweichen, die ein exzellentes Shuttleservice zu den umliegenden Krankenhäusern zum Magen-Auspumpen eingerichtet hatten. Hauptsache man hört nicht Ö3.

Um 22 Uhr begann dann das fantastischte Feuerwerk, das ich je gesehen hatte. Was da ganze 15 Minuten lang in die Luft geschossen wurde, erzeugte nicht enden wollendes Raumen unter den Zuschauern. Immer wieder riefen die jungen Leute hinter uns “das ist jetzt sicher der Schluß”, nur um dann noch eine größere Explosion zu sehen. Die Sprengkraft und Leutfreude der Mörserladungen schafften es den gesamten sichtbaren Himmel mit bunten Kugeln zuzudecken. Goldener Regen. Bunte Kreise, die die Farbe wechselten. Gewaltig.

Am angenehmsten war es noch auf der Western-Insel, weil sich dort Leute aufhielten, die mit Country-Musik etwas anzufingen wußten. Wir rundeten den Abend noch mit einem Snack und Getränk auf der Nordseite der Copa Kagrana ab, die durch das nahe Fest angenehm wenig überlaufen war.

Sand in the City

Ein Kollege gab mir auch den Tipp, das “Sand in the City” bei Wiener Eislaufverein anzusehen, das machten wir am Sonntag. Dort haben Sandkünstler verschiedene internationale Wahrzeichen in Sand nachgebaut, die man gegen saftiges Eintrittsgeld (EUR 4,50 pro Erwachsener) noch bis im Herbst besichtigen kann. Gegen den Regen hilft eine simple Strategie: die richtige Mischung mit Zement läßt auch den sandigen Stephansdom dem Regen trotzen, wenngleich der britische Big Ben nicht durchgehalten hat.

Sand in the City

Im frei zugänglichen Teil nebenan haben auf Sand und zwischen Palmen diverse Bars und Restaurants einen Platz für den Sommer gefunden und man kann einen gewisses mediteranes Flair, gemischt mit Wiener Bodenständigkeit geniessen. Nicht unähnlicher der Copa Kagrana oder der Strandbar Hermann, nur mit wesentlich mehr Sand.

Oliver, ONE und Orange #

21. June 2007 22:14

ONE hat endlich einen neuen Besitzer gefunden, die France Telecom Tochter Orange übernimmt de facto den kleinen Betreiber, dem wir seit seiner Gründung vor 10 Jahren zumindest als Kunde die Treue halten.

Knapp die ersten vier Jahre hatte ich selbst bei ONE das Billing System geführt und mich um die Vergebührung der Gespräche gekümmert, bis ich knapp vor der zweiten Mitarbeiterreduktionswelle meinen Sessel zur Verfügung stellte. Es war von oben herab diktiert worden, dass unsere Abteilung einen “Head” abbauen müsse, zur Auswahl für den neuen Abteilungschef standen zwei meiner Kollegen: ein frischer Familienvater und der einzigen Dame in der Gruppe. Beide brauchten ihren Job viel dringender als ich und weil ich mich obendrein etwas langweilte, nahm ich das Heft selbst in die Hand. Ich räumte freiwillig meinen Platz im Tausch für eine nette Abfindung. 3 Monate blieb ich noch um alle Geschäfte reibungslos zu transferieren.

Die dritte Reduktionswelle schlug bei ONE noch viel heftiger ein, das Netzwerk wurde outgesourct, ebenso die Verrechnung. Der Däne Joergen Bang-Jensen hatte immer nur die Summe unter dem Strich im Sinn und so konsolidierte er was das Zeug hielt. Jeder mögliche Ballast wurde über Bord geworfen, um das kleine Unternehmen fit für eine Übernahme zu machen. Dass eine solche kommen würde war klar, seit der deutsche Energieproduzent E.ON die Hälfte des Unternehmens besitzt. Und dieser war es auch, dessen heißen Atem der Joergen jahrelang im Nacken fühlte. 

E.ON war die sprichwörtlich Faust auf dem Auge von ONE. Diese Firma paßte überhaupt nicht zu den anderen Anteilseignern Telenor (17,45%), Orange (17,45%) und TDC (15%), konnte aber mit seiner Mehrheit (50,10%) den rigorosen Sparkurs durchdrücken, damit sie schlußendlich mit Gewinn aus dem Unternehmen aussteigen können. Dieser Ausstieg war mehrfach an dem “njet!” der Partner und an dem zu geringen Verkaufspreis gescheitert.

Scheinbar war Orange jetzt endlich mit dem Ergebnis zufrieden, der Bart des ersten Verkaufsgerüchtes war schon 7 Jahre lang gewachsen. Rein zufällig präsentiert Bang-Jensen im ersten Halbjahr 2007 das beste Ergebnis in der Geschichte von ONE. Aber ganz traut Orange dem Wikinger wohl doch nicht, denn sie verdoppeln erst mal nur ihren Anteil (auf 35%) und parken die übrigen Anteile beim ungarischen Finanzinvestor Mid Europa Partners, der an den Geschäften selbst kaum Interesse hat. So haben sie zwar das volle Sagen, müssen aber nicht allzuviel riskieren.

Österreich hat, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, aufgrund des Preiskrieges sehr günstige Mobilfunk-Tarife. Diese könnten durch den starken Player aus Frankreich noch weiter rutschen. Österreich ist als Markt aber schon deswegen interessant, weil bei uns 113% der Leute ein Mobiltelefon besitzen. Mehr als hundert Prozent sind deswegen möglich, weil viele Leute mehr als eine Sim-Karte ihr Eigen nennen. Bald wer hat so wie ich ONE für privat und T-Mobile für die Firma.

Orange ist bekannt für recht innovative Angebote und Nutzung neuester Technologie, wie z.B. Fernsehen am Handy. Wir dürfen also gespannt sein, was für Vorteile wir ONE-Kunden aus dieser Roschade ziehen können. Ich hoffe, dass sich diese nicht statt einer süßen Orange als saure Zitrone entpuppt.

Wien ist mir lieb und teuer #

20. June 2007 18:56

Die Konsultingfirma Mercer Human Ressource Consulting erhebt jährlich die Lebensqualität und die Lebenskosten in den weltwelt 215 größten Städten. Als Wiener freut es mich natürlich jedes Mal zu sehen, dass meine Heimatstadt international im Spitzenfeld liegt. Aber all die Qualität hat wohl auch ihren Preis, wenngleich die diesbezügliche Auflistung doch einen überraschenden ersten Platz hat.

Lebensqualität

Mercer möchte verstanden wissen, dass sie in dieser Erhebung die Qualität des “Lebens an diesem Ort” erheben und nicht etwa die Lebensqualität anundfürsich. Letztere ist zu individuell und kann auch nicht wirklich empirisch festgestellt werden. Für das vorliegende Ranking hat Mercer 39 Faktoren erhoben, wie zum Beispiel: politisches und ökonomisches Umfeld, Sicherheit, Gesundheitsversorgung, öffentlicher Verkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Ausbildung, Wohnungsmöglichkeiten und die Natur.

Wien konnte sich verbessern und schloß zu Vancouver auf den tollen dritten Platz auf. Ich freue mich natürlich auch über Zürich auf dem ersten Platz, weil wir dort ein Haus besitzen.

Qualität

[Quelle: Mercer HR Consulting]

Lebenskosten

Qualität hat doch ihren Preis, oder? Wenn man dem zweiten wichtigen Report von Mercer glauben darf, dann ist der Preis für Lebensqualität aber geographisch doch extrem unterschiedlich. Die Reihenfolge der Städte auf diesem Report deckt sich nämlich nicht im geringsten mit dem Index der Lebensqualität. So wird der einsame erste Platz von Moskau belegt, was den Betrachter doch anfangs wundert.

Relativ gesehen schneidet Wien hier auch sehr gut ab, denn trotz der wesentlich höheren Lebensqualität liegen die Lebenskosten unter dem Referenzwert von New York. Wesentlich beeinflußt wurde dieses Ranking durch den schwächelnden Dollar, der viele amerikanische Städte günstiger machte.

Cost

[Quelle: Mercer HR Consulting]

Fazit

Natürlich hört man gerne von Statistiken, die den eigenen Glauben bestätigen. Obige Studien könnten mich als Wiener dazu verleiten, freudig auszurufen “Schaut’s ich hab’ euch gleich gesagt, das Wien super is.”. Jedenfalls könnte vieles in Wien im internationalen Vergleich doch als gutes Vorbild dienen, auch wenn der typische Wiener ständig unzufrieden ist.

In Wien wird sehr gute Lebensqualität zu einem attraktiven Preis geboten. Wer hier leben und arbeiten darf, der kann sich wirklich glücklich schätzen.

Film Preview: Sicko #

20. June 2007 01:33

Michael Moore ist bekannt für seine kritischen Betrachtungen der Probleme seines geliebten Heimatlandes USA. Sein neuester Film Sicko beschäftigt sich mit dem amerikanischen Krankenversicherungsindustrie, der sogenannten “health care industry”.

Dabei ist sein Stil viel weniger aggressiv, als wir von seinen vorangegangenen Werken gewohnt wären. Dadurch gewinnt der Film ein großes Maß an Prägnanz. Vielleicht will keiner der großen Bosse mehr mit Moore reden, weil klar ist, worauf das hinausläuft. Moore suchte daher öffentlich nach Menschen, die sich vom amerikanischen System im Stich gelassen fühlen und griff aus den tausenden Einsendungen die berührendsten Geschichten heraus.

Auch fehlt der Aktionismus, der in der Vergangenheit oft eher die Titel “peinlich” und “sinnlos” verdiente. Die einzige Moore-typische Aktion im ganzen Film ist, dass er mit einer Hand voll im Stich gelassenen 9/11-Rettungsleuten nach Guantanamo in Kuba fährt, weil er erfahren hatte, dass die Insassen dort besser in Sachen Medizin versorgt sind, als die meisten Amerikaner. Doch die Militär-Basis dort verscheucht ihn, worauf er mit den Leuten in ein Spital in Havanna fährt, wo diese prompt und gratis versorgt werden. Peinlich für Mr. Bush.

Diese Kuba-Reise war auch der Grund, weshalb Michael Moore wenige Tage vor den Filmfestspielen in Cannes fürchtete, die US-Regierung würde die Filmrolle von Sicko beschlagnehmen. Abgesehen vom Betreten vom bösen bösen Feindesland, das sich unerwartet hilfreich beweist, erleben wir Moore auch in der Rolle eines großen Kindes, dass mit großen Augen staunend erlebt, wie in Kanada, England und Frankreich ein kostenloses Gesundheitssystem wunderbar funktioniert und niemandem notwendige Hilfe versagt wird.

President Nixon hat anno dazumal das gewinnorientierte System in den USA eingeführt, getarnt als “leistbare Gesundheitsvorsorge für Jedermann” und seit dieser Zeit schreibt die Vielzahl an Gesundheits-Versicherungen massige Gewinne. Das aber nur, weil sie ein Heer von Ärzten beschäftigen, deren einzige Aufgabe ist, Gründe zu finden, teure Zahlungen ablehnen zu können. Gleichzeitig hat sogar schon Ronald Reagan die “sozialistische Medizin” verteufelt, ja sogar eine Schallplatte aufgenommen, auf der er vor den Gefahren des Sozialismus warnt. Diese uns viele andere skurile Informationen veranlassen einen immer und immer wieder den Kopf zu schütteln.

Offenbar läge es im Interesse der Mächtigen, dass die meisten Amerikaner arm, krank und verängstigt gehalten werden, weil sie so besser zu kontrollieren sind. Nicht auszudenken, wenn die Masse beginnen würde ihre Rechte einzufordern, dann hätten sie ja bald Zustände wie in Frankreich.

Dieser Film überzeugt mit Gehalt, gemäßigtem Journalismus, wenig Polemik und vielen interessanten Fakten, die einen als Europäer doch dankbar für unser Gesundheitssystem werden lassen. Auch wenn man sich ansonsten überhaupt nicht für die USA interessiert, dann ist dieser Denkanstoß doch als wertvoll zu bewerten.

Der Film kommt in 9 Tagen in den USA und vermutlich am 12. Oktober in Österreich ins Kino.