Die Idee an diesem schönen Sonntag eine größere Motorrad-Tour zu machen fand so guten Anklang, dass sich am Ende vier BMW und eine Honda Transalp von Weistrach aus nach Mariazell aufmachten. Die Führung übernahm Brittas Vater, ein erfahrenen Touren-Biker, der die Strecke wie seine Westentasche kannte und zügig aber nicht überschnell voranfuhr.
Im Betriebshandbuch meiner F650GS steht geschrieben, dass ich das Bike im Hügelland fernab der Autobahn mit vielen Kurven einfahren soll, fast so, als hätte der Autor so eine Tour im Sinn gehabt, wie wir sie unternehmen würden.
Die Landschaft war zunächst von leichten Hügeln und sanften Kurven geprägt, gerade richtig zum warm werden. Unser erster Stop war schon in Ybbsitz, wir waren erst um 11 Uhr weggekommen und mußten uns zu Mittag erst einmal Kalorien tanken.

Weiter ging es nach Süden, vorbei an Göstling an der Ybbs, jenem berüchtigen Ort, an dem ich vor vielen Jahren meinen letzten alkoholischen Vollrausch zu Silvester überstanden hatte. Nach Lunz am See, wo wir als als Kinder oft mit dem Elektroboot fuhren, wechselten wir ins markant bergige Bundesland Steiermark, wo uns immer häufiger größere Kolonnen an Motorrädern und wandernden Pilgern entgegenkamen. Wir passierten den Erlaufsee, wo die Tauchschule und anwesende Froschmänner mich an meine Tauchgänge in diesem See erinnerten.
Zu Mariazell hin wurde die Strecke immer anspruchsvoller, die Kurven enger und die Höhenunterschiede größer. In Mariazell schließlich stellten wir uns direkt am Hauptplatz ab, dort gibt es einen eigenen Motorrad-Parkplatz neben der Wallfahrtskirche. Mariazell feiert 2007 das 850-jährige Bestehen und zu diesem Anlass kommt im Herbst auch der neue Papst vorbei. Unter anderem würde sich diese Tatsache in einer allgemeinen Renovierungslust im Ort äußern, verriet uns die Kellnerin, als sie unsern Kaffee servierte.

Dann schauten wir nochmal kurz mal in der berühmten Wallfahrtskirche vorbei. Ich grübelte zunächst noch, warum auf der Eingangstüre “Magna Domina Hungarorum” geschrieben stand, was etwa so viel heißt wie “Mächtig ist die Domina der Ungarn”. Im Inneren klärte sich das allerdings auf, eine ungarische Beetgruppe hatte sich um den Volksaltar versammelt, betete erst im Chor und sang dann auf ungarisch ein Bet-Lied.
Das Wetter spielte auch super mit, in den Bergen schirmte eine Dunstschicht die schlimmste Hitze ab, obwohl die Sonne zwischendurch immer wieder einmal durchschien. Am Rückweg kamen wir an einigen feuchten Stellen vorbei, aber wir selbst blieben stets trocken.
Gleich südwestlich von Mariazell folgte mit Wildalpen zweifellos eine der schönsten Motorrad-Strecken in den österreichischen Alpen. In dieser Gegend entspringt auch die Quelle der Zweiten Wiener Hochquellwasserleitung. Für den städtischen Wiener ist es spannend zu sehen, welcher wildromantischen Umgebung das Wasser entspringt, dass so selbstverständlich aus dem Wasserhahn kommt. Den dortigen Wildwasser-Fluß hatten auch zahlreiche Kajak-Fahrer und auch eine Canyoning-Gruppe für sich entdeckt.

Wir fanden dann wieder den Schwung wieder nach Norden, fuhren durch Maria Neustift und St. Peter zurück an den Ausgangspunkt unserer Tour. Gesamt hatten wir 240 Kilometer in 4 Stunden Fahrzeit bewältigt, inklusive der Pausen waren wir 8 Stunden unterwegs gewesen. Nach dieser Rundfahrt, die einem eindrucksvoll zeigt, welche Schönheit Österreich zu bieten hat, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass man durch die anspruchsvolle Strecke wesentlich an Fahrtechnik dazugelernt hat.
Nach so einer Tour ist es üblich, dass man ein Lagerfeuer entzündet und den Tag nett ausklingen läßt. So sitze ich jetzt neben Brittas Kamin, in dem ein Feuer fröhlich knistert, während ich von meinen Heldentaten blogge. Alle Beteiligten hatten heute einen großen Spass.



