Andere lesen
31. März 2007 - 12:25
Mein vierter Auftrag für Klein&Kunst war eine Mischung aus Lesung und Kabarett.

Als regelmäßiger Fahrgast der Wiener U-Bahn hatte ich
schon unzählige Male das VOR-Magazin zur Hand genommen, einzig
mit dem Ziel, die von Wolfgang Kubasta gestaltete Matscho-Seite zu
lesen. Ich bin daher gleich freudig gesprungen, als sich die
Möglichkeit für mich ergab den Autor einmal live zu
erleben.
Passender als mit dem Lied "Matscho Man" hätte Kubasta nicht
auf die Bühne kommen können, denn sein Programm beginnt
mit einem Lobgesang auf das "letzte Reservat unverfälschter
Männlichkeit", dem öffentlichen Pissoir, dem einzigen
männlichen Lebensbereich in das die Frauen noch nicht
vorgedrungen sind und es vermutlich, biologisch bedingt, auch nie
tun werden. Wir sahen eine Seite von Matscho, die wir so in seiner
regelmäßigen Kolumne wohl nie sehen werden, ein bisserl
deftiger und umso interessanter.
Seine treuen Leser waren wohl die am besten versorgten Zuschauer,
denn für den Rest seiner "Abrechnung" reihte Kubasta ein gutes
Dutzend eigenständiger Geschichten aneinander, die er eloquent
vorlas. Sein elegant-witziger Stil des Vortrages gab den
Erzählungen noch eine zusätzliche Würze, die
Geschichten reichten vom Verführer Franz bis zum Versager
Emil, von Frau Matscho bis zu Matscho Junior, von einer
Ameisenplage bis zum Kampf-Fernsehen beim "Grand Brie der
volksdümmlichen Musik".
Auflockerung verschafften kurze Exkurse in andere Bereiche von
Kubastas schriftstellerischem Schaffen. So erzitterte unser
Zwerchfell besonders heftig, als er beispielsweise eines seiner
kurzen Rekord-Gedichte zum Besten gab, welches Lyrik, Romantik,
Logik und Tragik in nur vier Sätzen in sich vereinigt:
"Zwei Mägdelein im Mondenschein …" (ist
lyrisch)
"… lustwandelten im Garten,…" (ist romantisch)
"… die eine wurde gleich vernascht …" (ist
logisch)
"… die and're musste warten." (ist tragisch)
Manch einer hätte sich wohl ein Kabarett erwartet, bekam aber eine Lesung serviert. Wohl ist diese wesentlich amüsanter als die Sonntagspredigt ausgefallen, aber dennoch waren für mich die allerschönsten Momente, als man ein schelmisches Aufblitzen in den Augen oder ein spontanes Lächeln von Wolfgang Kubasta sehen konnte. Denn da sah man den Menschen hinter der Kult-Figur Matscho durchschimmern, so wie man ihn nur live erleben kann.