Soviel Luxus muß sein #

30. November 2006 02:07

Nachdem ich Phil Gordon’s Buch das erste Mal durch hatte verfolgte mich den ganzen Tag ein Gusto auf richtiges Pokern im Casino. Zuerst musste ich aber noch beim Porsche Simmering mein Auto abholen.

Seit ich die 100.000 Kilometer-Marke überschritten hatte, bestand mein Gefährt immer auf “Service Jetzt!” und von gestern auf heute wurde es durchgeführt. Bei der Gelegenheit ließ ich Q eine neue Modifikation installieren. Ein neuer kleiner roter Knopf lässt auf den ersten Blick einen Schleudersitz oder Raketenwerfer vermuten, aber für die hätte ich keine Typisierung bekommen. Stattdessen feiere ich das große Kilometer-Jubiläum mit der Erfüllung eines intimen Wunsches: Standheizung von Eberspächer. “Der Mercedes unter den Standheizungen” merkte der Techniker nebenbei an, als er mir die Funk-Fernbedienung erklärte.

Mit dem roten Knopf kann ich die Standheizung vor Ort ein und ausschalten, die Fernbedienung erlaubt die Steuerung und Timer-Programmierung bis zu einer Entfernung von 1000 Metern. Einen kleinen Nachteil musste ich leider schlucken: kein Biodiesel mehr, das verstopft angeblich den Brenner.

Dermaßen aufgerüstet düste ich zu meinem Masseur in Klosterneuburg, der den Kopf schüttelte, als ich erklärte jetzt viel zu pokern und wegen des Hustens keinen Sport zu machen. Vom Gnotzen an virtuellen und realen Poker-Tischen war die Massage wieder eine höchst willkommene Entspannung, die ich nicht missen möchte. Soviel Luxus muss sein.

Kurz nach 19 Uhr kam ich bei Erdberg vorbei und mir gingen die Poker-Visionen nicht aus dem Kopf und so entschloss ich mich beim Casino vorbei zu schauen. Ein Hold’Em Turnier hatte vor wenigen Minuten begonnen und ich ärgerte mich zunächst, dass sich das nicht ausgegangen war. Erst wollte ich Cash-Game spielen, es gab aber keinen passenden Tisch und so bestellte ich mir ein Abendessen. Meine Augen wurden dann ganz groß, als ich quer durch den Raum sah, wie ein älterer Herr zum Tisch des Turnier-Leiters ging, zahlte und zu einem Turnier-Tisch wanderte!

Es stellte sich heraus, dass man immer in den zwei Runden (ca. 1 Std.) nach Turnier-Beginn auch noch einsteigen kann! Natürlich ergriff ich auch sofort meine Chance, weil ich ja das Turnier-Spiel trainieren will. Ich machte keine schwereren Fehler und hatte mir einen komfortablen Chip-Stapel erwirtschaftet, einige Zeit ziemlich genau im Turnier-Schnitt bei 40.000 Chips. Dabei flirtete ich mit meiner Sitz-Nachbarin bis sie nebenbei ihrem anderen Nachbarn gegenüber erwähnte, dass sie verheiratet wäre. Next!

Gute Blätter schlachtete ich so gut es ging aus, mittlere Blätter bluffte ich durch um die Blind-Einsätze und Antes abzukassieren. Das funktionierte erstaunlich gut. Aus Mangel an Erfahrung realisierte ich aber zu spät, dass ich schon längst einen zu kurzen Stapel hatte.

Man kann sich entspannen, wenn man rund 30 große Blinds hat, das wäre an meinem letzten Tisch 180.000 Chips gewesen, ich hatte aber nur mehr um die 20.000, also 3 Hände bei einem Big Blind von 6000. So ging ich mit einem so la la König-6 all in und wurde durch ein Full House betoniert. Ich schied auf Platz 20 (von 100 Startern) aus und der Turnier-Leiter gratulierte mir sogar. Zufrieden über mein gutes Ergebnis verließ ich das Casino um Mitternacht.

Zu Hause probierte ich noch aus, ob die Fernbedienung für die Standheizung auch von meinem Wohnzimmer bis zu meinem Parkplatz reicht. Mit Verzückung stellte ich fest, dass ich tatsächlich die Heizung von meinem Wohnzimmer-Fenster aus einschalten kann. Nie mehr Eiskratzen, ich freue mich schon auf den Winter, wenn ich immer in ein warmes Auto setzen kann. Auf einmal bekomme ich große Lust zum Skifahren.

Übrigens ist der Vorteil vom Turnierspielen der, dass man davon schön müde wird und für einige Zeit die Nase vom Pokern voll hat. Zumindest bist zum nächsten Tag.

Film Preview: Little Miss Sunshine #

29. November 2006 00:37

Ist schon sehr lange her, dass wir einen so guten Road-Movie aus Hollywood serviert bekamen, wie wir heute im Sneak Preview mit Little Miss Sunshine. Es geht um eine ziemlich verrückte Familie. Der Vater Greg Kinnear ist Motivationstrainer und hofft verzweifelt einen Bücher-Deal. Mutter ist Hausfrau, etwas überfordert, es gibt immer nur Fastfood-Hühnchen zum Abendessen. Sohn will zur Airforce und will erst wieder sprechen, wenn er es geschafft hat. Der schwule Onkel hat gerade einen Selbstmord-Versuch überlebt. Der Großvater zieht sich Koks-Linien rein und trainiert mit dem kleinen Mädchen im Hause Tanzschritte für den Schönheitswettbewerb für Kinder “Little Miss Sunshine”.

Alle sind durch etwas getrieben oder leicht am Verzweifeln, aber alle beginnen am selben Strang zu ziehen, als es darum geht zum 800 Meilen entfernten Ort zu kommen, wo der Contest stattfindet. Was den Leute auf ihrem Road-Trip passiert ist zwar lustig, aber Humor von der feinen intelligenten Sorte. Mit einer Message: Verlieren tut, wer es nie versucht. In uns allen stecken Sieger. Aber manchmal ist es nicht wichtig zu siegen, sondern genug sich einfach nur lieb zu haben.

Der Film wurde die letzten zwei Monate auf diversen Film-Festivals gezeigt. Vielleicht kommt er im nächsten Monat in Österreich ins Kino.

Wie James Bond #

27. November 2006 01:02

Man sagt, dass Glück im Spiel habe, wen das Pech in der Liebe verfolgt. So ging es auch James Bond in Casino Royale, der über hundert Millionen Dollar vom Bösewicht erpokert hat, aber dafür die einzige Liebe verlieren musste. Casino Royale war der erste Kino-Film, den ich mir ein zweites Mal im Kino angeschaut habe, so gut hat er mir gefallen.

Ich denke mir schon länger, dass ich am Spieltisch sicherlich ein wahrer Glückspilz sein müsste, so viel Pech wie ich in der Liebe habe. Gleich nach dem Kino bin ich in mein Stamm-Casino gefahren um am dortigen Sonntagsturnier teilzunehmen. Um 25 EUR Einsatz spielte ich auch über eine Stunde, machte dann aber einen wirklich dummen Fehler indem ich fast alle meine Chips verplemperte, als ich meinem Sitz-Nachbarn ein All-In bezahlte, obwohl ich selbst keine passenden Karten dafür in der Hand hielt. Schwerer Fehler. Dummer Fehler. Wenig später flog raus auf ca. Platz 100 von ca. 170 Spielern.

Dann begab ich mich zu den Bargeld-Tischen, weil der Abend noch jung war und dort startete mein Glück. Ich spielte 2 Stunden bis kurz nach 23 Uhr. Dann läutete die Botschafter-Stunde, denn um elf Uhr gehen angeblich die Botschafter immer von den Parties nach Hause, damit sie für den nächsten Tag ausgeruht sind. Ich hatte in dieser Zeit zwei Früchte-Tees, ein Abendessen, eine Nutte und einen Vodka-Martini, geschüttelt und nicht gerührt. Nachdem ich alles bezahlt hatte, hatte ich immer noch 200 EUR Reingewinn in der Tasche und fuhr als Sieger nach Hause.

Ok, den Cocktail und die leichte Dame habe ich jetzt frei erfunden, aber ich neige mein Haupt in Ehrfurcht vor dem männlichen Vorbild Nummer Eins: Mr. Bond, James Bond. Er zeigt uns Männern, wie es geht.

Bett-Poker #

26. November 2006 02:14

Die ganze Woche seit meiner Rückkehr habe ich einen lästigen Husten mit mir rumgeschleppt, so habe ich Samstag früh beschlossen, dass es am besten sei, den Tag im Bett zu verbringen. Ich erinnerte mich gestern Abend noch an die Buch-Empfehlung des einen netten Spielers aus Los Angeles und so war ich noch Shareaza an um zu sehen, ob dieses Buch vielleicht gratis zu haben sei. Tatsächlich hatte ich Glück und fand das “Little Green Book” als PDF File. Irgendein berühmter Golfer hatte mal ein kleines rotes Buch geschrieben, daher hatte der Autor die Idee für den Titel seines Buches. Der coole Junge heißt Phil Gordon und war nur 6 Jahre berufstätig, bevor er sich mit 27 zur Ruhe setzte, um die Welt zu bereisen. cool 

Nachdem ich vor dem Schlafengehen und in der Früh die ersten 30 Seiten des Buches durch hatte, fühlte ich mich schon viel schlauer und begann bei den Turnieren auf PokerRoom.com mit zuspielen. So verbrachte ich den ganzen Tag mit Pokern und brauchte dennoch nicht das Bett zu verlassen. Ich trank Unmengen an Tee und der selbe Lieferant brachte mir mittags und abends Essen vom wozukochen.at. Dafür gab ich ihm auch ein fürstliches Trinkgeld, obwohl ich das Essen schon mit Kreditkarte bezahlt hatte.

Im Endeffekt waren es wieder ein paar blöde Fehler, durch die ich aus allen Turnieren raus flog, aber ich glaube, ich merke langsam, worauf es ankommt.

Über den eigenen Schatten springen #

23. November 2006 19:19

Gestern war ich wieder bei meinem Masseur in Klosterneuburg. Damit ich direkt nach der Arbeit hinfahren konnte, hatte ich mein Auto in der Früh in eine nahe Parkgarage gestellt. Die Massage kostete mich erfreuliche 40 EUR, das Parken ärgerliche 32 EUR. Ich muss mir da eine andere Lösung überlegen.

Ich freue mich immer, wenn Leute bemerken, dass sich etwas an mir verändert hat. Nicht nur mein Bruder hatte angemerkt, dass ich durch die kalifornische Sonne etwas Farbe bekommen hatte, bei meinem Masseur freute mich das noch mehr, denn dieser sieht mich ja Woche für Woche splitterfasernackt vor sich liegen.

Ich schimpfe gerade mit mir selbst, weil ich gestern wieder nicht meinem Vorsatz entsprochen habe, früher schlafen zu gehen. Ich bin dann in der Früh immer so grantig und kann mich selbst nicht ausstehen. Meine Ausrede für gestern abend war aber nicht (nur) das Kartenspiel. Ich folgte einem Impuls zum Media Markt, wo ich 5 Minuten vor Kassaschluß noch ein HDMI-Kabel und zwei DVI-HDMI Adapter kaufte. Damit konnte ich ausprobieren, welchen optischen Unterschied man sieht, wenn ich statt einer einfachen Videoleitung das Bild digital von meinem Media Center PC zum Projektor übertrage. Kurz gesagt: viel besser. Das Bild grieselt nicht mehr, sondern steht und ist scharf, die Farben von Battlestar Galactica sind auf einmal viel kräfiger und lebendiger. Ich fühlte mich komischerweise noch mehr in die Story hineingezogen, als ich die aktuellste Folge meiner Lieblingsserie schaute und dabei Kohlsprossen mit Feta und süß-saurer Chili-Sauce aß.

Drei Wehrmutstropfen gibt es aber: 1) Gelegentlich habe ich eine feine Bildstörung mit ein paar weissen Punkten in der Mitte des Bildes 2) ich betreibe den PC zwar auf 1280×720 Punkten, mein LCD-Panel (BENQ PE5120) hat haber nur 852×480 Punkte. Diese ungewöhnliche Auflösung kann meine Grafikkarte nicht, könnte sie es, wäre das Bild noch besser. 3) Das Bild ist jetzt so scharf, dass man durch den digitalen Trapezausgleich ein Treppenmuster in vertikalen Linien sieht.

Aber das Ganze betrachte ich sowieso nur als fröhliches Experimentieren, um die aktuellen Möglichkeiten der Technologie auszuloten, also kann ich wohl zufrieden sein. Viel Effekt für wenig Geld.

Nachdem ich gestern in der Mittagspause auf der Bank etwas erledigen mußte, ging ich beim Schottentor zum McDonalds für ein schnelles Mitagessen. Ich hatte so ein paar Eingebungen, denen ich gerne folgte. McD war die erste. Süß-saure Sauce zu bestellen für meine Kartoffel-Taler war die zweite. Die dritte war, dass ich mit dem Tablett in den oberen Stock ging, fest entschlossen einen Platz zu finden, und formulierte bereits im Kopf die Frage. Ich ortete dann einen freien Platz und ohne die Person wirklich wahrzunehmen fragte ich “darf ich mich zu Ihnen setzen?” “Ja” war alles, was ich hören mußte und schon saß ich. Dann dämmerte mir plötzlich, dass ich mich an den Tisch zu einer unglaublich attraktiven und wie sich herausstellte liebenswerten jungen Damen gesetzt hatte. Jetzt erst begann ich leicht nervös zu werden, früher hätte mich die Nervosität bereits von so einer Frage abgehalten.

Ich begann ein ganz nettes Gespräch, den Einstieg fand ich über die Anmerkung “So ein Zufall, wir haben die selbe Sauce”, denn mein Gegenüber hatte vor sich ein Portion Pommes plus zwei der süß-sauren Saucen. Ich redete mir ein, dass das Schicksal wäre und fragte den Engel dezent aus: junge Polin, seit einem halben Jahr in Österreich, älterer Freund in Toronto, geht ins siebente Gymnasium. Ich fragte nicht nacht dem Alter, damit ich ihre Illusion nicht zerstören würde, ich sei auch im Studentenalter. Ich erkannte ihre Offenheit und Neugier daran, dass sie einige Male nachfragte, obwohl ich nichts mehr sagte. Dabei schaute sie mich mit großen Augen an, in die ich mich hätte verlieben können. Wenn da nicht der Freund wäre …

Aber egal. Als ich ging, ließ ich mir von der Schülerin noch einen Zettel geben, auf dem ich die Adresse meines Weblogs, E-Mail und Telefonnummer notierte. Sie hatte einen gewissen Beschützerinstinkt in mir geweckt den ich mit diesen Worten artikulierte: “Wenn Du mal irgendwas brauchst, dann ruf mich an.” Sie schien sich darüber zu freuen und murmelte etwas in der Art, dass sie dankbar ist, nette Leute zu treffen. Mein Tag war gerettet, ich war erfolgreich über meinen Schatten gesprungen.

Die Summe der Laster ist konstant #

21. November 2006 09:45

Wieder zu Hause musste ich feststellen, wie gut es uns in Österreich eigentlich geht. Wir sind zwar nicht so schnell-lebig wie Amis, aber dafür haben wir einen wesentlich höheren Lebensstandard. Alles wirkt sauberer, schöner und freundlicher. Ich habe die Theorie, dass in so einem großen Land wie USA das Spektrum einfach größer ist, es gibt mehr am Ende der Reichen, dafür aber auch viel mehr am Ende der Armen. Bei uns konzentriert sich alles in der Mitte, mit ein paar Ausreißern nach oben. Wir sind guter Durchschnitt, aber unser Mittelmaß ist wesentlich besser als das amerikanische.

Es war schön wieder zu einem Job zurückzukehren, der auf einen gewartet hat. Wenn man mich fragt, was ich daran finde, dann ist meine erste Antwort wohl, dass ich das Gefühl von Stabilität und Sicherheit genieße. Und ich freue mich auf’s Weihnachtsgeld, wenngleich das größtenteils für das Not-Ticket wieder draufgehen wird. Ich muss mein Budget wieder aktualisieren, aber die Software dazu habe ich auf einem anderen PC, den ich erst wieder in Betrieb nehmen muss, ich bin aktuell noch am Laptop aktiv.

Ach, es gibt so viel zu tun. Gestern war ich beim Zahnarzt, damit er mir ein lockeres Bracket wieder anklebt. Am Abend war es schon wieder locker. Ärgerlich. Jetzt muss ich schon wieder hin.

Den Abend habe ich mit basteln verbracht, ich hatte zwei WLAN-Module von Shuttle bestellt um meine beiden Test-PCs mit drahtlosem Netzwerk umzurüsten. Das hat tadellos mit Vista funktioniert, auch wenn ich beim Dragon eine Stunde nach dem internen Anschluss gesucht habe, den ich schlussendlich dann auf einer Extra-Platine in einem Eck des Gehäuses fand.

Eigentlich wollte ich noch was Produktives machen, wie zum Beispiel eine weitere Battlestar Galactica Folge anzuschauen, aber ich blieb dann beim Online-Pokern hängen, wo ich meiner Spielsucht frönte und 250 EUR verspielte. Dies zeigte mir wieder, dass auch ich suchtgefährdet bin. Diese Erkenntnis war vor langer Zeit der Anlass, weshalb ich seit jeher einen großen Respekt-Abstand zu Drogen halte.

Nun ja, es heißt “die Summer der Laster ist konstant” und bei mir ist es halt Spekulation am Kapitalmarkt und das Pokern.

Stress am letzten Tag #

19. November 2006 23:50

Mein letzter Tag in Los Angeles begann mit einem bösen Mail meines Bruders, der sich beschwerte, umsonst am Flugplatz gewesen zu sein. Ich war zunächst noch schlaftrunken verwirrt, ich hatte fest im Kopf die Idee, dass mein Flugzeug erst am Abend gehen würde. Ich hatte sogar der Autoverleih-Firma den Nachmittag als Rückgabe-Termin genannt. Doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen, als ich die Buchungsbestätigung nochmal hervor kramte. Verdammt, mein Flugzeug war eine Stunde zuvor bereits weg geflogen.

Ich rief kurz bei Air Canada an, dass ich den ersten Flug versäumt hätte, bekam aber zunächst die schockierende Auskunft, dass ich nur ein neues Ticket kaufen können. Das nächste verfügbare würde aber 5000 Dollar kosten.

Ich zögerte nicht und rief meinen Freund CP an, von dem ich wusste, dass er was einfädeln könnte. Ich kenne niemanden, der sich so in ein Problem verbeißen kann und nicht los lässt, bis er die Lösung gefunden hat. Mit dem guten Gefühl das Problem in seine kompetenten Hände gelegt zu haben, machte ich mich fertig für ein Treffen, das ich schon Tags zuvor vereinbart hatte.

Der Freund, von dem ich in meinem Casino Royale Review sprach, heißt Ken Rutkowski und obwohl er mit seiner Gruppe auch im selben Kinosaal war, hatte ich ihn nicht erkannt. Ich bekam aber eine zweite Chance den Macher von KenRadio persönlich zu treffen, als er mich zu seinem wöchentlichen Breakfast Club einlud. 

Ken ist hauptsächlich Radio-Macher und im Dienste seiner Zuhörer auf allen möglichen internationalen Konferenzen unterwegs. Er versteht es wie kein andere die News aus den Bereichen Medien, Unterhaltung und Technologie so zu destillieren, dass man mit 30 Minuten zuhören täglich alles weiß, was wichtig ist.

Ken pflegt Kontakte zu den wichtigsten Leuten der genannten Branchen und daraus ist METal entstanden, die “Media, Entertainment and Technology Alliance”. Entscheidungsträger dieser Sparten zahlen 750$ jährlich dafür, dass sie Mitglied sein dürfen und nehmen mit Begeisterung an den Breakfast Clubs teil, die jeden Samstag in einem noblen Hotel stattfinden. Dabei pflegen die Leute ihre Netzwerk untereinander und besprechen gemeinsam aktuelle und interessante Themen. Mal stellt der eine sein neuestes Buch vor, mal lädt ein anderer seine Freunde zum kostenlosen Besuch einer Präsentation ein. Es gibt immer Abwechslung.

Ken und ich 

Ken hat große Pläne für METal, bis Ende nächsten Jahres soll die Allianz auch nach Europa wachsen und 10.000 Mitglieder haben. Aus den vielen angeregten Unterhaltungen, die ich sah, kann man schließen, dass die Mitglieder großen Nutzen daraus ziehen.

Während ich in der Runde saß hatte ich das Gefühl ich säße unter Giganten, obwohl mir nur ein Gesicht etwas bekannt vor kam. Aber das ist ja ein bekanntes Problem, ich tue mir schwer Menschen zu identifizieren, die ich irgendwo mal auf irgendeinem Medium gesehen habe.

Ken stellte mir dann Michael Perricone vor, ein Mann mit vielen Talenten. Er hatte seinerzeit das Script für zwei Star Trek Voyager Episoden geschrieben, jetzt besitzt er zwei Sound-Studios und betreibt omstream.com, ein Portal für inspirierende und spirituelle Musik. Sein Motto: “Raising your consciousness, one dollar at a time.”

Während ich noch am Frühstückstisch saß erfuhr ich von CP, dass er mein Problem gelöst hatte. Ein neues Ticket um 2100 EUR via München war die beste Lösung. Ticket war schon bezahlt, ich bräuchte es nur mehr mit meinem Pass abholen. So konnte ich noch die illustre Runde genießen und einige Worte mit Ken wechseln, bevor ich zum Packen zurück ins Hotel fuhr.

Ich war sehr früh am Flugplatz und gab meinen Koffer ab. LAX ist kein guter Ort zum Warten und so nahm ich mir ein Taxi zum Hollywood Park Casino, wo ich die Wartezeit gemütlich mit Pokern vertrieb.

Am Flug über den Atlantik entdeckte ich zufällig nach dem Abendessen dass es im Flugzeug Wireless LAN gab, Connexion by Boing. Ich musste mich aufwändig registrieren und meine Kreditkarten-Information eingeben, aber dann war es doch gratis, vermutlich noch im Testbetrieb. Das Internet funktionierte auch über den Wolken erstaunlich gut, die Artikel über Queen Mary und Griffith Observatory schrieb ich im wahrsten Sinne des Wortes “im Fluge”.

Mission: Nine Iron Pants #

19. November 2006 22:52

Mein Seminar-Kollege Mark holte mich am Donnerstag Nachmittag ab und fuhr mit mir in das berühmte Beverly Center. Ich befand mich auf der Mission eine besondere Hose für meinen Bruder zu besorgen. Gleichzeitig wollte ich das Beverly Center einmal gesehen haben. Nichts besonderes, ein Shopping-Center für Mode halt.

Ich hatte in Mall beim Farmer’s Market, genannt “The Grove” auch schon nach dieser Hose, “Nine Iron Pants” von Tommy Bahama, gefragt, aber die schien kaum mehr wo geführt zu werden. Die Verkäuferin dort hatte im Computersystem nachgeschaut und mir eine Adresse genannt, die ich aber mir nicht gemerkt hatte.

Mark wusste eine zweite Filiale von Nordstrom in West-Hollywood, zu der wir nach einem unspektakulären Mittagessen, aufbrachen. Leider auch dort Fehlanzeige, aber ein erneuter Blick in das Computer-Orakel der Firma Nordstrom offenbarte, dass die einzige Filiale, die die gewünschte Hose in der gewünschte Tenor-Größe lagernd hatte, auf unserem Weg nach Passadena lag. Dort lag der finale Anlaufpunkt des Ausfluges, denn dort sollten wir ein Theaterstück ansehen.

So quälten wir uns über den Freeway ins dritte Einkaufszentrum, wo wir schlußendlich wie vorhergesagt fündig wurden. Die Verkäuferin war ungewöhnlich nett und fröhlich. Als ich anmerkte, dass ich mich ohne eine bestimmte Hose nicht in der Heimat blick lassen solle, erwiederte sie unglaublich süß, dass sie auch ein wenig Deutsch könne.

C.B.Spencer und Nine Iron Pants

Zufällig ist sie auch Nebenerwerbsschauspielerin mit dem Künstlernamen C.B.Spencer und ist schon in einigen Fernsehproduktionen aufgetreten.

Wir kamen gerade rechtzeitig zum Beginn des Stückes ins Theater. Wir sahen “The America Play” von Sizan-Lori Parks in einer interessanten Inszenierung. Das Stück beschäftigt sich hauptsächlich damit, wie wir mit Geschichte und Idolen umgehen. Das metaphorische Beispiel ist einen schwarzer Totengräber, der so gut Abraham Lincoln nachahmen kann, dass auf Jahrmärkten Leute Pennies dafür zahlen, dass sie Abraham Lincolm in der Theaterbox erschiessen können. Ungewöhnlich ist an der Bühne, dass sie zur Gänze aus einer Art Sand aus feingeriebenen Reifenschnitzeln besteht. Dadurch können die Akteure immer wieder etwas ver– oder ausgraben. All dies und das gute Schauspiel gefiel einem Publikum von vielleicht 30 Personen, hauptsächlich Intellektuellen. Mark machte fleissig Notizen, er hatte ein seinem Theater-Direktor-Kurs den Auftrag bekommen, dieses Stück zu kritisieren.

Zum Ausklang des Abends suchten wir noch nach einer Bar zum Chillen. Wir landeten zuerst in einer Bum-Bum-Lounge, wo wir ein Getränk tranken, aber dann auf die 10 Dollar Eintritt pfiffen und doch noch in einen Nacht-Club gingen. Das war für mich auch das erste Mal in so einem typisch amerikanischenen Etablissement und diese Clubs sind nicht mit europäischen Bordellen zu vergleichen. In Kalifornien ist Prostitution ja verboten, deshalb gibt es zwei Arten von Bars, in denen weibliches Fleisch angeschaut werden kann.

Einerseits gibt es echte Strip-Clubs, wo kein Alkohol ausgeschenkt wird und dafür die Mädels sich komplett zum optischen Reiz der Männer ausziehen. Dann gibt es sogenannte Bikini-Bars, wo zwar auch Mädels auf einem zentralen Laufsteg aufreizend tanzen, aber stets mit leichter Bekleidung verhüllt. Dafür gibt es in dieser Variante auch alkoholische Getränke.

Auf die Frage, was für Mädchen in diesen Bars arbeiten, wurde mir erklärt, dass es hauptsächlich Partygirls sind, die die Aufmerksamkeit lieben und gleichzeitig das leicht verdiente Geld schätzen. Das meiste Geld wird mit “Lapdances” verdient, dabei schwingt die Dame ihr wohl verhülltes Gebein vor den Augen des Konsumenten, reibt sich an ihm und täuscht Laszivität vor. Anfassen ist verboten. Ein Dance in der Länge eines Songes kostet 25 Dollar und gegen Ende des Songs versucht die Tänzeren noch weitere Tänze zu verkaufen. Solange Geld da ist, hat man die Aufmerksamkeit. Ist das Geld weg, dann verzieht sich die Tänzerin schneller als ein lichtscheuer Vampir.

Die Bar in der wir waren hieß Cheetaas, oder so ähnlich, und zählt auch Keanu Reeves und Kiefer Sutherland zu ihren Kunden. Mir kam auch der Bouncer bekannt vor. Er war zwar nicht wirklich berühmt, aber er meinte er würde zeitweise als Double für Michael Clarke Duncan arbeiten, dem er ziemlich ähnlich sieht. Wir verließen die Bar, als diese um zwei Uhr zugesperrt wurde, ich hatte noch nie irgendwo mehr an Trinkgeld ausgegeben.

Queen Mary #

19. November 2006 18:26

An meinem letzten Tag dachte ich zunächst, ich würde Disney California Adventure besuchen. Ich hätte sogar noch eine Eintrittskarte von meinem Disneyland-Besuch gehabt. Das wären dann ein paar Rides gewesen, viel herumlaufen und noch mehr herumstehen. Nein, nicht mein Fall. Nächster Punkt der “To Do”-Liste war ein Besuch bei der Queen Mary, dem berühmten Luxus-Kreuzschiff, das südlich von Los Angeles in Long Beach als Hotel und Touristenattraktion liegt.

Bevor man an Bord der Bug der Queen Mary geht, sollte man noch kurz durch das daneben liegende russische U-Boot der Foxtrott-Klasse, das man in Eigenregie erkunden kann. Ich nützte die Gelegenheit eines der beengten Stockbetten zu testen und durch das Periskop zu schauen.

Queen Mary und russisches U-Boot

Die Queen Mary ist das imposanteste Schiff, dass ich bisher gesehen habe. Man bekommt einen guten Eindruck von der Größe des Schiffes, wenn man auf dem Promenaden-Deck steht und den sonnendurchfluteten Gang entlang schaut. Im Inneren des Schiffs gibt es auch Gänge, die sich über nahezu die gesamte Länge erstrecken und bei diesen kann man eindrucksvoll erkennen, das das Schiff für bessere Stabilität eine Bananen-Form hat. Steht man am einen Ende, dann sieht man nur die Füße von Leuten am anderen Ende.

Früher gab es drei Klassen von Kabinen, die erste im stabilen Zentrum, die zweite am Heck und die dritte Klasse am Bug, wo sich das Schiff am meisten auf und ab bewegt. Heute gibt es nur mehr die erste Klasse von Zimmern und diese werden als Hotel betrieben. Viele Menschen wollen entweder verhältnismäßig günstig erleben wie es war, auf so einem Schiff zu übernachten, oder sie sind Gäste einer der zahlreichen öffentlichen oder privaten Veranstaltungen. Besonders beliebt sind Hochzeiten auf der Queen Mary.

Ich hatte vor meiner ersten Führung etwas Zeit und so ließ ich im Kosmetik-Studio eine Gesichtsbehandlung machen, die ich sehr genoss. Diese Räumlichkeiten, wie auch alle anderen zeichnen sich mit einem besonderen Charme aus, der die Queen Mary einzigartig macht. Sie ist nämlich das Schiff mit den meisten edelsten Hölzern. Einige der Holzarten, die da an den Wänden und Dekorationen verbaut wurden sind so exklusiv, dass sie sogar schon ausgestorben sind. Alles schaut dunkelbraun und wohlig warm aus.

Am glamourösesten fand ich die Shopping-Mall, an der sich die meisten Menschen tummelten.

Queen Mary Shopping Mall

Ich machte zwei Touren, der erste befasste sich mit der allgemeinen Geschichte des Schiffs, die zweite ist auf die Zeit im zweiten Weltkrieg spezialisiert. Die Queen Mary war ja während des zweiten Weltkrieges als Truppentransporter im Einsatz und war so wichtig für die Alliierten, dass Hitler sogar eine große Belohnung aussetzte für den deutschen U-Boot-Kapitän, der es schaffen würde sie zu versenken. Das Schiff war aber so schnell, dass es sogar Torpedos davon fährt und fuhr immer im Zick-Zack über den Atlantik, so dass es zu keiner einzigen Konfrontation kam. Nicht umsonst hatte es der zivilen Zeit vor dem Krieg das blaue Band für die schnellste Atlantik-Überquerung gewonnen.

Auch nach dem Krieg kehrte des Schiff 20 Jahre lang in den zivilen Dienst zurück und symbolisierte für viele Menschen den Inbegriff an Luxus, bis es 1967 von Long Beach gekauft wurde. Zur Zeit meines Besuches gab es eine Ausstellung alter Fotografien von Filmstars. Fixe Attraktion ist “Ghosts&Legends”, eine Art Geisterbahn zum Durchgehen, wo man in Gruppen tief ins Innere des Schiffs vordringt. Im alten Swimming-Pool und im vordersten Boiler-Raum werden dann die Angstsinne mit Hollywood-Effekte gekitzelt. Ich fand das primär interessant, weil man an diese Ort sonst nicht hinkommt, ich kicherte mehr, als ich mich gruselte.

Die Queen Mary ist ein tolles Stück Geschichte und ich war froh den Tag auf ihr verbracht zu haben.

Griffith Observatory #

19. November 2006 15:25

Nach der Präsentation des Robert Allen Institutes versuchte ich zunächst telefonisch ein Shuttle-Ticket für das Griffith Observatory zu bekommen. Fehlanzeige, sie akzeptieren keine ausländischen Kreditkarten. So musste ich zu Reservierungszentrum beim Los Angeles Zoo fahren um dort 8 Dollar Bargeld auf den Tisch zu legen. Es ist nicht möglich mit eigenem KFZ hinauf zum Observatorium zu fahren, sondern man muss mit einem Shuttle-Bus fahren, der entweder vom Hollywood&Highland Einkaufszentrum oder vom Zoo aus wegfährt.

Das Observatorium wurde erst dieses Jahr am 3. November nach vierjähriger Renovation und Erweiterung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Viele Leute kommen nicht nur wegen des Planetariums, sondern auch um den besten möglichen Blick auf das “Hollywood Sign” zu erhaschen.

Hollywood Sign vom Griffith Observatory aus

Das Observatorium thront imposant auf dem Ausläufer einer Hügelkette und lädt so auch insbesondere ein, dort einen romantischen Sonnenuntergang zu erleben.

 Griffith Observatory Twilight

Es ist auch die einzige mir bekannte öffentlich zugängliche Stelle von der man aus einen echten Panoramablick über Los Angeles hat.

Alle 90 Minuten gibt es im kugelförmigen Planetarium eine Präsentation über unsere Position im Weltall, die wunderschön mit dem brandneuen Projektor von Zeiss in Szene gesetzt wird. Die Sprecherin hätte professioneller nicht sein können, alleine durch ihre Art des Vortrages bekam ich schon eine Gänsehaut. Nun, in Los Angeles kann man so etwas ja auch erwarten.

Die Licht-Verschmutzung der Stadt verdeckt leider schon 98% der sichtbaren Gestirne, wodurch der wissenschaftliche Nutzen des Observatoriums in Frage gestellt wird. Mithilfe eines Restlicht-Verstärkers ist es aber dennoch möglich halbwegs brauchbare Bilder zu bekommen. Dennoch hat sich ein privater Verein formiert, “Friends of the Observatory”, der diese Touristenattraktion betreibt und betreut. Eine Stunde nach Sonnenuntergang haben Besucher die Möglichkeit selbst durch das große Fernrohr zu blicken.

Das Observatorium hat beim Umbau zwei neue Ebenen im Untergrund bekommen. Auf drei Ebenen erklären diverse Exponate verständlich unser Sonnensystem, die Sonne und diverse andere populäre Fragen. Doch diese Antworten interessierten mich dann kaum mehr, lieber verweilte ich einige Minuten und erfreute mich an dem Funkeln der Lichter der großen Stadt zu meinen Füßen.

LA bei Nacht